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Wissenschaftssprache
Valentin Groebner: Wissenschaftssprache: Eine Gebrauchsanweisung
Konstanz: Konstanz UP, 2012. Gebunden, 143 Seiten – Groebner LinksGroebner Literatur
Valentin Groebner, Professor für Geschichte mit Schwerpunkt Mittelalter und Renaissance, an der Universität Luzern, unternimmt mit diesem Büchlein einen interessanten Versuch. Er plädiert ohne Heckmeck für einen lockern wissenschaftlichen Stil, der keinen Deut an Präzision preisgibt.
Groebner gliedert den Essay in drei Abschnitte:
  1. Wovon handelt das Büchlein?
  2. Historischer Rückblick um die Spielregeln wissenschaftlichen Schreibens zu verstehen
  3. Werkzeugkasten für as wissenschaftlich Schreiben
Im zweiten Abschnitt beantwortet er einige grundlegenden Fragen.
Was macht einen Text wissenschaftlich?
  • Der Autor präsentiert Informationen, die vorher noch nicht verfügbar waren; er erzählt etwas Neues
  • Die Neuigkeit muss in bereits vorhandenes Wissen eingeordnet werden; „Wohin gehört das alles?“
  • Die Neuigkeit muss nachprüfbar sein; das „Woher?“ muss beantwortet werden
  • Der Text muss beantworten, was man mit den Informationen anfangen kann, also etwa  „Wozu das?“ beantworten
  • Der Text muss deutlich sagen was nicht dazu gehört. (S. 36-38)
Wie ist der Zugang zur Wissenschaft geregelt?
  • Ausbildung
  • informelle Netzwerke
  • institutionelle Zugangskontrolle
  • interne Konkurrenz
  • Reputation
  • Finanzierung (S. 40)
  • wissenschaftliche Methodik (fehlt)
Nicht verwunderlich spricht sich der Autor für mehr Unverkrampftheit im wissenschaftlichen Stil aus. Richtig stellt er fest, dass solche Schreibstile gerade in Disziplinen, die im Feuilleton präsent sind (er nennt stellvertretend: Kunstgeschichte, Soziologie, Philosophie) verurteilt werden.
Durchgehend plädiert er dafür, die Information zu reduzieren, auf umfassende Vollständigkeit zu verzichten.
Schon hier zeigt es sich aber, dass der Autor seine eigenen Ratschläge nicht immer befolgt. Jedes Konzept, jeder Begriff muss vom wissenschaftlichen Autor beim ersten Auftreten erläutert oder definiert werden (S. 124). Er schreibt „Sid Vicious Gymnasium“ (S. 64) ohne weitere Erklärung.
Im dritten Abschnitt verpflichtet Groebner den wissenschaftlichen Autor als Führer im eigenen Text zu agieren. Das ist eine bekannte und nützliche Metapher, Grobener formuliert sie sauber aus: die aufgestellten Verkehrzeichen beantworten die Fragen: Warum muss ich das jetzt wissen? Was ist vorher passiert? Was ist das Resultat aus diesem Abschnitt? In welche Richtung geht die besichtigung weiter? (S. 74)
Hierzu gibt er ein Beispiel: „Wir sind im 1. Stock der Direktorenvilla und haben Folgendes gesehen. Jetzt werden wir uns in die Lagerhallen begeben, in die Schächte der U-Bahn, in die Neubauquartier. ...“ (S. 72). Leider ist der Autor ansonsten mit Beispielen, besonders mit konkreten, recht sparsam.
In diesem Abschnitt spricht er wichtige Fragen (Ich oder wir?) und Themen an: zitieren, wiederholen. Sehr hilfreich und für manche Autoren neu ist sein Vorschlag den eigenen Text beim Korrekturlesen laut vorzulesen(S. 101-102).  Ähnliches gilt ja für die Aneignungen eines gelesenen Textes (Vortrag an die Wand, Groebner Links).
Das Büchlein steckt voller Anregungen für das wissenschaftliche Schreiben. Es macht Mut die übliche Gestelztheit gut begründet etwas beiseite zu schieben. Einiges kann man sofort in die Praxis umsetzen, manches wird man ausprobieren müssen. Ich wünschte mir mehr konkrete Beispiele. Sehr empfehlenswert.
Links
GroebnerProf. Dr. Valentin GroebnerWikipedia
GroebnerLeseprobe (pdf)
Groebner Das erleichert den Alltag für Schüler, Studenten und Lehrer
Groebner Hinweise und Tipps zur Stoffsammlung, Schreiben, Zitieren
Groebner Ratgeber zu Exposé – Doktorarbeit – Doktortitel – Promotion
Groebner Vortrag an die Wand – Lecture to the Wall
Literatur
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 15.4.2012