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Immanuel Kant Prolegomena

Kants Antwort an Christian Garve.

Königsberg, 7.August 1783
[Unterstrichen ist im Original gesperrt gedruckt.]
Hochzuverehrender Herr!
Schon lange habe ich in Ihrer Person einen aufgeklärten philosophischen Geist und einen durch Belesenheit und Weltkenntnis geläuterten Geschmack verehrt und mit Sultzern bedauert, daß so vorzügliche Talente durch Krankheit gehindert werden, ihre ganze Fruchtbarkeit der Welt zu gute kommen zu lassen. Jetzt genieße ich des noch reineren Vergnügens, in Ihrem geehrten Schreiben deutliche Beweise einer pünktlichen und gewissenhaften Redlichkeit und einer menschlichen theilnehmenden Denkungsart anzutreffen, die jenen Geistesgaben den wahren Werth giebt. Das letztere glaube ich nicht von Ihrem Götting’schen Freunde annehmen zu können, der, ganz ungereizt, seine ganze recension hindurch (denn ich kann sie, nach der Verstümmelung, wohl die seinige nennen) nichts als animositaet athmete. Es war doch in meiner Schrift manches, was, wenn er gleich dem Aufschlusse der Schwierigkeiten, die ich aufdeckte, seinen Beifall nicht gab, doch wenigstens darum, weil ich sie zuerst in dem gehörigen Lichte und im ganzen Umfange dargestellet hatte, weil ich die Aufgabe, so zu sagen, auf die einfachste Formel gebracht, wenn gleich nicht aufgelöset hatte, erwähnt zu werden verdient hätte; so aber tritt er in einem gewissen Ungestüme, ja ich kann wohl sagen mit einem sichtbaren Grimme, alles zu Boden, wovon ich nur die Kleinigkeit anmerke, daß er auch das, in dieser Zeitung sonst gewöhnliche und den Tadel etwas versüßende abgekürzte Hr:, vor dem Wort Verf: absichtlich wegließ. Diesen Mann kann ich aus seiner Manier, vornehmlich wo er seine eigene Gedanken hören läßt, sehr wohl errathen. Als Mitarbeiter einer berühmten Zeitung hat er, wo nicht die Ehre, doch wenigstens den Ehrenruf eines Verfassers auf kurze Zeit in seiner Gewalt. Aber er ist doch zugleich auch selbst Autor und setzt dabei auch seinen eigenen Ruf in Gefahr, die sicherlich nicht so klein ist, als er sich vorstellen mag. Doch ich schweige davon, weil Sie ihn Ihren Freund zu nennen belieben. Zwar sollte er auch, obgleich in einem weiteren Verstande, mein Freund sein, wenn gemeinschaftlicher Antheil an derselben Wissenschaft und angestrengte, obgleich fehlschlagende Bemühungen, um diese Wissenschaft auf einen sicheren Fuß zu bringen, litterärische Freundschaft machen kann; allein es kommt mir vor, daß es hier, eben so wie anderwärts, zugegangen ist; dieser Mann muß besorgt haben, von seinen eigenen Ansprüchen bei dergleichen Neuerungen etwas einzubüßen; eine Furcht die ganz ungegründet ist; denn hier ist nicht von der Eingeschränktheit der Autoren, sondern des menschl: Verst: die Rede.
(Ich muß mir hier die Erlaubnis nehmen abzubrechen und mit dem folgenden Blatte anzufangen weil das schlimme durchschlagende Papier die Schrift unleserlich machen würde
Sie können mir, geehrtester Herr, festiglich glauben, auch zu aller Zeit auf der Leipziger Messe bei meinem Verleger Hartknoch erkundigen, daß ich allen seinen Versicherungen, als ob Sie an der Recension Antheil hätten, niemals geglaubt habe und nun ist es mir überaus angenehm, durch Ihre Gütige Nachricht von meiner Vermuthung die Bestätigung zu erlangen. Ich bin so verzärtelt und eigenliebig nicht, daß mich Einwürfe und Tadel, gesetzt daß sie auch das, was ich als das vorzüglichste Verdienst meiner Schrift ansehe, beträfen, aufbringen sollten, wenn nicht vorsetzliche Verhehlung des Beifallswürdigen, was hin und wieder doch anzutreffen sein möchte, und geflissentliche Absicht zu schaden hervorleuchten. Auch erwarte ich Ihre unverstümmelte Recension in der A.D. Bibliothek mit Vergnügen, deren Besorgung Sie mir in dem vortheilhaftesten Lichte der Rechtschaffenheit und Lauterkeit der Gesinnungen darstellt, die den wahren Gelehrten charakterisirt und welche mich jederzeit mit Hochachtung erfüllen muß, Ihr Urtheil mag immerhin ausfallen wie es wolle. Auch gestehe ich frei, daß ich auf eine geschwinde günstige Aufnahme meiner Schrift gleich zu Anfangs nicht gerechnet habe; denn zu diesem Zwecke war der Vortrag der Materien, die ich mehr als 12 Jahre hinter einander sorgfältig durchgedacht hatte, nicht der allgemeinen Faßlichkeit gnugsam angemessen ausgearbeitet worden, als wozu noch wohl einige Jahre erfoderlich gewesen wären, da ich hingegen ihn in etwa 4 bis 5 Monathen zu Stande brachte, aus Furcht, ein so weitläuftiges Geschäfte würde mir, bei längerer Zögerung, endlich selber zur Last werden und meine zunehmende Jahre (da ich jetzt schon im 60sten bin) möchten es mir, der ich jetzt noch das ganze System im Kopfe habe, zuletzt vielleicht unmöglich machen. Auch bin ich mit dieser meiner Entschließung, selbst so wie das Werk da liegt, noch jetzt gar wohl zufrieden, dermaßen daß ich, um wer weiß welchen Preis, es nicht ungeschrieben wissen möchte, aber auch um keinen Preis die lange Reihe von Bemühungen, die dazu gehöret haben, noch einmal übernehmen möchte. Die erste Betäubung, die eine Menge ganz ungewohnter Begriffe und einer noch ungewöhnlichern, obzwar dazu nothwendig gehorigen neuen Sprache, hervorbringen mußte, wird sich verlieren. Es werden sich mit der Zeit einige Punkte aufklären (dazu vielleicht meine Prolegomena etwas beitragen können). Von diesen Punkten wird ein Licht auf andere Stellen geworfen werden, wozu freilich von Zeit zu Zeit ein erläuternder Beitrag meiner Seits erfoderlich sein wird, und so wird das Ganze endlich übersehen und eingesehen werden, wenn man nur erstlich Hand ans Werk legt und indem man von der Hauptfrage, auf die alles ankommt, (die ich deutlich gnug vorgestellt habe) ausgeht, so nach und nach jedes Stück einzeln prüfen und durch vereinigte Bemühungen bearbeiten will. Mit einem Worte die Maschine ist einmal vollstandig da, und nun ist nur nöthig die Glieder derselben zu glätten, oder Öl daran zu bringen, um die Reibung aufzuheben, welche freilich sonst verursacht, daß sie still steht. Auch hat diese Art von Wissenschaft dieses Eigenthümliche an sich, daß die Darstellung des Ganzen erfoderlich ist jeden Theil zu rectificiren und man also, um jenes zu Stande zu bringen, befugt ist diese eine Zeitlang in einer gewissen Rohigkeit zu lassen. Hätte ich aber beides auf einmal leisten wollen, so würden entweder meine Fähigkeiten, oder auch meine Lebenszeit dazu nicht zugereicht haben.
Sie belieben des Mangels der Popularität zu erwähnen, als eines gerechten Vorwurfs, den man meiner Schrift machen kann denn in der That muß jede philosophische Schrift derselben fahig sein, sonst verbirgt sie, unter einem Dunst von scheinbarem Scharfsinn, vermuthlich Unsinn.(*) Allein von dieser Popularität läßt sich in Nachforschungen, die so hoch hinauf langen, nicht der Anfang machen. Wenn ich es nur dahin bringen kann, daß man im schulgerechten Begriffe, mitten unter barbarischen Ausdrücken, mit mir eine Strecke fortgewandert wäre, so wollte ich es schon selbst unternehmen (andere aber werden hierin schon glücklicher sein) einen populären und doch gründlichen Begriff, dazu ich den Plan schon bei mir führe, vom Ganzen zu entwerfen; vor der Hand wollen wir Dunse (doctores umbratici) heißen, wenn wir nur die Einsicht weiter bringen können, an deren Bearbeitung freilich der geschmacksvollere Theil des Publici keinen Antheil nehmen wird, außer bis sie aus ihrer dunkelen Werkstatt wird heraus treten und mit aller Politur versehen auch das Urtheil des letzteren nicht wird scheuen dürfen. Haben Sie die Gütigkeit, nur noch einmal einen flüchtigen Blick auf das Ganze zu werfen und zu bemerken, daß es gar nicht Metaphysik ist, was ich in der Kritik bearbeite, sondern eine ganz neue und bisher unversuchte Wissenschaft, nämlich die Kritik einer a priori urtheilenden Vernunft. Andere haben zwar dieses Vermögen auch berührt, wie Locke so wohl als Leibnitz, aber immer im Gemische mit anderen Erkenntniskräften niemand aber hat sich auch nur in die Gedanken kommen lassen, daß dieses ein Object einer förmlichen und nothwendigen, ja sehr ausgebreiteten Wissenschaft sei, die (ohne von dieser Einschränkung, auf die bloße Erwägung des alleinigen reinen Erkenntnisvermögens, abzuweichen) eine solche Mannigfaltigkeit der Abtheilungen erfoderte und zugleich, welches wunderbar ist, aus der Natur desselben alle Objecte, auf die sie sich erstreckt, ableiten, sie aufzählen die Vollständigkeit durch ihren Zusammenhang in einem ganzen Erkenntnisvermögen beweisen kann; welches ganz und gar keine andere Wissenschaft zu thun vermag, nämlich aus dem bloßen Begriffe eines Erkenntnisvermögens (wenn er genau bestimmt ist) auch alle Gegenstände, alles was man von ihnen wissen kann, ja selbst was man über sie auch unwillkührlich, obzwar trüglich zu urtheilen genöthigt sein wird, a priori entwickeln zu können. Die Logik, welche jener Wissenschaft noch am ähnlichsten sein würde, ist in diesem Punkte unendlich weit unter ihr. Denn sie geht zwar auf jeden Gebrauch des Verstandes überhaupt; kann aber gar nicht angeben, auf welche Objecte und wie weit das Verstandeserkenntnis gehen werde, sondern muß desfalls abwarten was ihr durch Erfahrung oder sonst anderweitig z.B. (durch Mathematik) an Gegenständen ihres Gebrauchs wird geliefert werden.
Und nun, mein werthester Herr, bitte ich Sie, wenn Sie sich noch in dieser Sache etwas zu verwenden belieben, Ihr Ansehen und Einfluß zu gebrauchen, um mir Feinde, nicht zwar meiner Person (denn ich stehe mit aller Welt im Frieden) sondern jener meiner Schrift zu erregen und zwar solche nicht anonymische, die nicht auf einmal alles, oder irgend etwas aus der Mitte angreifen, sondern fein ordentlich verfahren: zuerst meine Lehre von dem Unterschiede der analytischen und synthetischen Erkenntnisse prüfen, oder einräumen, alsdenn zu der Erwägung jener, in den Prolegomenen deutlich vorgelegten allgemeinen Aufgabe, wie synthetische Erkenntnisse a priori möglich sein, schreiten, denn meine Versuche diese Aufgabe zu lösen nach der Reihe zu untersuchen u.s.w. Denn ich getraue es mir zu, förmlich zu beweisen, daß kein einziger wahrhaftig-metaphysischer Satz aus dem Ganzen gerissen könne dargethan werden, sondern immer nur aus dem Verhältnisse, das er zu den Quellen aller unserer reinen Vernunfterkenntnis überhaupt hat, mithin aus dem Begriffe des möglichen Ganzen solcher Erkenntnisse müsse abgeleitet werden u.s.w. Allein so gütig und bereitwillig Sie auch in Ansehung dieses meines Gesuchs sein möchten, so bescheide mich doch gerne, daß, nach dem herrschenden Geschmacke dieses Zeitalters, das Schwere in speculativen Dingen als leicht vorzustellen, (nicht leicht zu machen) Ihre gefälligste Bemühung in diesem Punkte doch fruchtlos sein würde. Garve, Mendelssohn u. Tetens wären wohl die einzige Männer die ich kenne, durch deren Mitwirkung diese Sache in eben nicht langer Zeit zu einem Ziele könnte gebracht werden, dahin es Jahrhunderte nicht haben bringen können; allein diese vortreffliche Männer scheuen die Bearbeitung einer Sandwüste, die, bei aller auf sie verwandten Mühe, doch immer so undankbar geblieben ist. Indessen drehen sich die menschliche Bemühungen in einem bestandigen Zirkel und kommen wieder auf einen Punkt, wo sie schon einmal gewesen sein; alsdenn können Materialien, die jetzt im Staube liegen, vielleicht zu einem herrlichen Baue verarbeitet werden.
Sie haben die Gütigkeit, über meine Darstellung der dialektischen Widersprüche der reinen Vernunft ein vortheilhaftes Urtheil zu fällen, ob Sie gleich durch die Auflösung derselben nicht befriedigt werden.(**) Wenn mein Göttingsch: Recens: auch nur ein einziges Urtheil dieser Art von sich hätte erhalten können, so würde ich wenigstens nicht auf einen bösen Willen gerathen haben, ich hätte (was mir nicht unerwartet war) die Schuld auf die Verfehlung meines Sinnes in den mehresten meiner Sätze, und also auch großentheils auf mich selbst geworfen und, anstatt einiger Bitterkeit in der Antwort, vielmehr gar keine Antwort, oder allenfalls nur einige Klage darüber, daß man, ohne die Grundfeste anzugreifen, nur so schlechthin alles verurtheilen wollte, ergehen lassen; nun aber herrschte durch und durch ein so übermüthiger Ton der Gringschätzung und Arroganz durch die ganze Recension, daß ich nothwendig bewogen werden mußte dieses große genie, wo möglich ans Tageslicht zu ziehen, um durch Vergleichung seiner Producte mit den Meinigen, so gring sie auch sein mögen, doch zu entscheiden, ob denn wirklich eine so große Überlegenheit auf seiner Seite anzutreffen sei, oder ob nicht vielleicht eine gewisse Autorlist dahinter stecke, um dadurch, daß man alles lobt, was mit denen Sätzen, die in seinen eigenen Schriften liegen, übereinstimmt, und alles tadelt, was dem entgegen ist, sich unter der Hand eine kleine Herrschaft über alle Autoren in einem gewissen Fache zu errichten (die, wenn sie gut beurtheilt sein wollen, durchaus genöthigt sein werden, Weihrauch zu streuen und die Schriften dessen, den sie als Recens: vermuthen, als ihren Leitfaden zu rühmen) und sich so allmählich ohne sonderliche Mühe einen Namen zu erwerben. Urtheilen Sie hiernach, ob ich meine Unzufriedenheit, wie Sie zu sagen belieben, gegen den Göttingschen Recensenten auf eine etwas harte Weise bewiesen habe.
Nach der Erläuterung, die Sie mir in dieser Sache zu geben beliebt haben, nach welcher der eigentliche Recensent im incognito bleiben muß, fällt, so viel ich einsehe meine Erwartung, wegen der anzunehmenden Ausfoderung, weg, er müßte denn sich derselben willkührlich stellen, d.h. sich entdecken, in welchem Falle selbst ich mich gleichwohl verbunden halte, von dem wahren Vorgange der Sache, wie ich ihn aus Ihrem gütigen Berichte habe, nicht den mindesten öffentlichen Gebrauch zu machen. Übrigens ist mir ein gelehrter Streit mit Bitterkeit so unleidlich, und selbst der Gemüthszustand, darin man versetzt wird, wenn man ihn führen muß, so widernatürlich, daß ich lieber die weitläuftigste Arbeit, zu Erläuterung und Rechtfertigung des schon Geschriebenen, gegen den schärfsten, aber nur auf Einsichten ausgehenden Gegner übernehmen, als einen Affect in mir rege machen und unterhalten wollte, der sonst niemals in meiner Seele Platz findet. Sollte indessen der Göttingsche Recens: auf meine Äußerungen in der Zeitung antworten zu müssen glauben und zwar in der vorigen Manier, ohne seine Person zu compromittiren, so würde ich (jedoch jener meiner Verbindlichkeit unbeschadet) mich genöthigt sehen, diese lästige Ungleichheit zwischen einem unsichtbaren Angreifer und einem aller Welt Augen blosgestellten Selbstvertheidiger durch dienliche Maaßregeln zu heben; wiewohl noch ein Mittelweg übrig bleibt, nämlich sich öffentlich nicht zu nennen, aber sich mir (aus den Gründen die ich in den Proleg: angeführt habe) allenfalls schriftlich zu entdecken und den selbst zu wählenden Punkt des Streits öffentlich, doch friedlich kund zu thun und abzumachen. Aber hier möchte man wohl ausrufen: O curas hominum! Schwache Menschen, ihr gebt vor, es sei euch blos um Wahrheit und Ausbreitung der Erkenntnis zu thun, in der That aber beschäftigt euch blos eure Eitelkeit!
Und nun, mein hochzuverehrender Herr, lassen Sie diese Veranlassung nicht die einzige sein, eine Bekanntschaft, die mir so erwünscht ist, gelegentlich zu unterhalten. Ein Charakter von der Art, als Sie ihn in Ihrer ersten Zuschrift blicken lassen, ist, ohne das Vorzügliche des Talents einmal in Anschlag zu bringen, in unserer literärischen Welt so häufig nicht, daß nicht derjenige, der Lauterkeit des Herzens, Sanftmuth u. Theilnehmung höherschätzt, als selbst alle Wissenschaft, bei so viel zusammen vereinigten Verdiensten ein lebhaftes Verlangen fühlen sollte, damit in engere Verbindung zu treten. Ein jeder Rath, ein jeder Wink, von einem so einsehenden und feinen Manne, wird mir jederzeit höchstschätzbar sein und, wenn meiner Seits und an meinem Orte etwas wäre, womit ich eine solche Gefälligkeit erwidern könnte, so würde dieses Vergnügen verdoppelt werden. Ich bin mit wahrer Hochachtung und Ergebenheit
Hochzuverehrender Herr
Ihr
gehorsamster Diener
I Kant
Koenigsberg
d. 7 Aug. 1783.
Anmerkungen:
(* ) Damit die meinen Lesern verursachte Unannehmlichkeit, durch die Neuigkeit der Sprache und schwer zu durchdringende Dunkelheit, mir nicht allein Schuld gegeben werde, so möchte ich wohl folgenden Vorschlag thun. Die Deduction der reinen Verstandesbegriffe oder Kategorien d.i. die Möglichkeit gänzlich a priori Begriffe von Dingen überhaupt zu haben wird man höchstnothwendig zu sein urtheilen, weil ohne sie reine Erkenntnis a priori gar keine Sicherheit hat. Nun wollte ich daß jemand sie auf leichtere und mehr populaire Art zu Stande zu bringen versuchte; al[s]denn wird er die Schwierigkeit fühlen die größte unter allen die die Speculation in diesem Felde nur immer antreffen kann. Aus anderen Quellen aber als, die ich angezeigt habe, wird er sie niemals ableiten, davon bin ich völlig versichert. [zurück]
(**) Der Schlüssel dazu ist gleichwohl dahin gelegt, obschon sein anfänglicher Gebrauch ungewohnt und darum schwer ist. Er besteht darin, daß man alle uns gegebene Gegenstände nach zweierlei Begriffen nehmen kann, einmal als Erscheinungen und dann als Dinge an sich selbst. Nimmt man Erscheinungen vor Dinge an sich selbst und verlangt, als von solchen, in der Reihe der Bedingungen das Schlechthin-unbedingte, so geräth man in lauter Widersprüche, die aber dadurch wegfallen, daß man zeigt das Gänzlich-unbedingte finde unter Erscheinungen nicht statt, sondern nur bei Dingen an sich selbst. Nimmt man dagegen umgekehrt das, was als Ding an sich selbst von irgend etwas in der Welt die Bedingung enthalten kann, vor Erscheinung, so macht man sich Widersprüche, wo keine nöthig wären, e.g. bei der Freiheit und dieser Widerspruch fällt weg, so bald auf jene Unterschiedene Bedeutung der Gegenstände Rücksicht genommen wird. [zurück]

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