Email  zurück zur Homepage eine Stufe zurück
Schachgenie
Schachgenie – Schachspieler als grosse Persönlichkeiten
Schachgenie LinksSchachgenie Literatur
Viele Schachspieler wurden im Laufe der letzten Jahrhunderte als Genies bezeichnet: Paul Morphy, Emanuel Lasker, Aaron Nimzowitsch, Akiba Rubinstein, Jose Raul Capablanca, Alexander Aljechin, Samuel Reshewsky, Robert Fischer, Garry Kasparow, Magnus Carlsen, ...
Doch sind es auch große (das ist, bedeutende) Persönlichkeiten?
Sigmund Freud meinte: nein, wie der nachfolgene Textauszug belegt. Freud geht darin der Frage nach: Unter welchen Bedingungen schreibt man jemand den Ehrentitel "grosser Mann" – und er schloss da sicher "grosse Frau" ein – ?
   „Wir sind überrascht zu finden, daß es nicht ganz leicht ist, diese Frage zu beantworten. Eine erste Formulierung: wenn ein Mensch die Eigenschaften, die wir hochschätzen, in besonders hohem Maße besitzt, ist offenbar nach allen Richtungen unzutreffend. Schönheit z. B. und Muskelstärke, so beneidet sie auch sein mögen, geben keinen Anspruch auf »Größe«. Es müßten also geistige Qualitäten sein, psychische und intellektuelle Vorzüge. Bei letzteren kommt uns das Bedenken, daß wir einen Menschen, der ein außerordentlicher Könner auf einem bestimmten Gebiet ist, darum doch nicht ohne weiteres einen großen Mann heißen würden. Gewiß nicht einen Meister des Schachspiels oder einen Virtuosen auf einem Musikinstrument, aber auch nicht leicht einen ausgezeichneten Künstler oder Forscher. Es entspricht uns, in solchem Falle zu sagen, er sei ein großer Dichter, Maler, Mathematiker oder Physiker, ein Bahnbrecher auf dem Feld dieser oder jener Tätigkeit, aber wir halten mit der Anerkennung, er sei ein großer Mann, zurück. Wenn wir z. B. Goethe, Leonardo da Vinci, Beethoven unbedenklich für große Männer erklären, so muß uns noch etwas anderes bewegen als die Bewunderung ihrer großartigen Schöpfungen. Wären nicht grade solche Beispiele im Wege, so würde man wahrscheinlich auf die Idee kommen, der Name »ein großer Mann« sei vorzugsweise für Männer der Tat reserviert, also Eroberer, Feldherrn, Herrscher, und anerkenne die Größe ihrer Leistung, die Stärke der Wirkung, die von ihnen ausging. Aber auch dies ist unbefriedigend und wird voll widerlegt durch unsere Verurteilung so vieler nichtswürdiger Personen, denen man doch die Wirkung auf Mit– und Nachwelt nicht bestreiten kann. Auch den Erfolg wird man nicht zum Kennzeichen der Größe wählen dürfen, wenn man an die Überzahl von großen Männern denkt, die, anstatt Erfolg zu haben, im Unglück zugrunde gegangen sind.
    So wird man vorläufig der Entscheidung geneigt, es verlohne sich nicht, nach einem eindeutig bestimmten Inhalt des Begriffs »großer Mann« zu suchen. Es sei nur eine locker gebrauchte und ziemlich willkürlich vergebene Anerkennung der überdimensionalen Entwicklung gewisser menschlicher Eigenschaften in ziemlicher Annäherung an den ursprünglichen Wortsinn der »Größe«. Auch dürfen wir uns besinnen, daß uns nicht so sehr das Wesen des großen Mannes interessiert als die Frage, wodurch er auf seine Nebenmenschen wirkt. Wir werden aber diese Untersuchung möglichst abkürzen, weil sie uns weit von unserem Ziel abzuführen droht.
    Lassen wir es also gelten, daß der große Mann seine Mitmenschen auf zwei Wegen beeinflußt, durch seine Persönlichkeit und durch die Idee, für die er sich einsetzt.”
Sigmund Freud: "Der Mann Moses und die monotheistische Religion" (1939), S. 110-111. In: Freud, Sigmund (1975): Der Mann Moses und die monotheistische Religion: Schriften über die Religion. Frankfurt am Main: Fischer. – Hervorhebung durch H.H.
Siegbert Tarrasch, selbst ein grosser Schachmeister, wird zugeschrieben:
„Viele sind Schachmeister geworden, keiner jedoch Meister des Schachs.”
Alexander Aljechin wird zugeschrieben:
„Il y a beaucoup de maîtres d’échecs, mais aucun maître des échecs.” [„Es gibt viele Shachmeister, aber keine Meister des Schachs.”]
Auf der Schacholympiade 1931 soll Aljechin zu William Winter gesagt haben:
„You call me Grand Master. I am not Grand Master, I am not even master. Chess will always be master of me and of all of us.”
Später schrieb William Winter aber Aljechin diese Formulierung zu:
„You call me grand master. I am not. I am not even master. Chess itself will always be the master of me, of Capablanca, and all of us.”
Siehe Winter, Edgar: Chess Notes, 5525. Masters, Schachgenie Links
Bruce Pandolfini stellte klar, dass es sich bei diesen Äußerungen nicht um disrespektierliche Ansichten zum Schach handelt, sondern im Gegenteil: sie sind so zu verstehen, dass Schach nie – selbst von den größten Genies – erschöpft werden kann.
Siehe Pandolfini, Bruce: Chess and Special Problems, Schachgenie Links
Links
SchachgenieBobby Fischer: Schach-Genie und Exzentriker. Focus Online, 18.01.2008
SchachgenieBrett im Kopf - Ist Genie erlernbar? Der Ungar Laszlo Polgar hat seine drei Töchter zu Schach-Wunderkindern erzogen. Das Familienunternehmen floriert. Der Spiegel, 1.8.1988
SchachgenieFischer, Johannes: Schachspieler, Sonderling, Genie. Karl, Schachzeitschrift
SchachgenieGenial! Große Geister fallen nicht vom Himmel. Sieben Zutaten sind nötig, um Weltveränderer zu werden. Die Zeit #42, 2011
SchachgeniePandolfini, Bruce: Chess and Special Problems
schach Stars der Schacharena (u.a. Zsuzsa, Judit und Sofia Polgar, Peter Leko, Philipp Schlosser)
SchachgenieWinter, Edgar: Chess Notes, 5525. Masters
Literatur
Bei Amazon nachschauen   Bei Amazon nachschauen
Freud SchachgenieSigmund Freud: Der Mann Moses und die monotheistische Religion: Schriften über die Religion. Frankfurt: Fischer, 1975. Broschiert, 141 Seiten Freud
Sigmund Freud: Der Mann Moses und die monotheistische Religion: Drei Abhandlungen. Jan Assmann, Hg. Reclam, 2010. Broschiert, 216 Seiten Schachgenie
Schachgenie Anfang

Schachgenie
Email  zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 4.7.2012