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Schach, Juden, Judentum
Schach und Juden
Schwerpunkt Deutschland und Bayern: extrem lückenhaft – Juden LinksJuden Literatur
In der Geschichte des Schachs spielen (im wörtlichen und übertragenen Sinn) Juden eine herausragende Rolle. Das passt in den Befund, dass Juden seit langem in der Kultur–, Geistes– und Wissenschaftsgeschichte eine weitaus größere Rolle spielen, als ihnen nach ihrem Anteil an der Bevölkerung zukommt. Ich nenne beispielhaft nur Gustav Mahler und Albert Einstein.
Zur letzten Aussage:
„Obwohl Juden nur drei Prozent der amerikanischen Bevölkerung stellen, kommen aus ihren Reihen 25 Prozent der amerikanischen Literaturnobelpreisträger und 40 Prozent der Nobelpreisträger in Naturwissenschaft und Ökonomie.”(Misik 2006)
Speziell zu Schach und Juden:
„If there is such a thing among the Jews as a ‚National game,‘ surely that title belongs ny overwhelming right to the royal game of chess. [...] In the world of chess the Jews reigns supreme.”
Zitiert nach: Fine 2015, S. 158. Fine beruft sich dabei auf American Chess Bulletin, 1905, das wiederum das New Era Illustrated Magazine zitierte.
Hier geht es ohne Ursachenforschung hauptsächlich um die hervorgehobene Stellung der Juden im Schach, Schwerpunkt Deutschland und Bayern.
Moritz Steinschneider nennt schon 1873 (S. 194) zahlreiche jüdische deutschsprachige Schachautoren und hebt dann vier jüdische Spieler ersten Ranges hervor:
  • Ignaz von Kolisch (1837-1889)
  • Samuel Rosenthal (1837-1902)
  • Wilhelm Steinitz (1836-1900)
  • Johann Jacob Löwenthal (1810-1876)
Das Schachspiel war fest im jüdischen Alltag im Deutschland der 30-er Jahre des 20. Jhdts. verankert.
„Nichts beschreibt die kulturellen Mileus der Wiesbdener Juden und der Wiesbadener Nazis jener Zeit besser als die Wahl der Versammlungsorte. Die Ortsgruppe des RjF traf sich immer donnerstags im Mokkastübchen des Maldaner, eines Wiener Kaffeehauses, wo man auf braunen Ledermöbeln Zeitung las, in gedämpften Ton Geschäftliches und Politisches besprach oder Schach spielte. Über den Treffpunkt der Nazis lese ich im Nassauer Beobachter, dem regionalen Naziblatt: »Der Bierstall ist das Stammlokal der Wiesbadener Nationalsozialisten!«”
(Beckhardt 2016; Hervorhebung H.H.)
Auch nach der Auswanderung in den 30-er Jahren wurde in Jerusalem Schach gespielt.
„Mein Vater war 22 oder 23 Jahre alt und lebte bei seinen Eltern in Jerusalem. Junge Deutsche trafen sich damals jeden Tag im Café Sichon in der Ben-Jehuda-Straße, um Schach zu spielen.” (Hillenbrand 2015).
Auch in den Lagern der Displaced Persons in Deutschland (nach der Befreiung 1945) spielten die Juden Schach.
„Das DP- Lager Landsberg war wiederum Austragungsort der ersten Schach-Olympiade der Sche’erit Hapleta vom 1. bis 15. September 1946. Der Schach-Meister der britischen Zone, Finkelstein, erreichte Platz 4 der Gesamtwertung, und ein weiterer Spieler aus Belsen kam auf Platz 8. Das Turnier, an dem insgesamt 16 Spieler aus ganz Deutschland teilnahmen, gewann der Schach-Meister der amerikanischen Zone, Aleksandrow, aus dem jüdischen DP-Krankenhaus St. Ottilien bei Landsberg.” (Königseder 2004, S. 202).
Der genannte Finkelstein ist nicht mit dem bekannten Schachjournalisten Milton Finkelstein in den USA identisch. Dieser spielte schon in den frühen 40-er Jahren US Meisterschaften mit.
Jüdische Schachspieler
Viele jüdische Schachspieler sind in der "List of Jewish chess players" (Juden Links) genannt.
Ich ergänze:
  • Marcel Duchamp
  • Robert James Fischer: Seine Mutter, Regina Fischer, war eine Schweizer Jüdin. Sein biologischer Vater war nicht – wie man lange meinte – der deutsche Physiker Hans-Gerhardt Fischer, sondern der ungarische Jude Paul Nemenyi. So hatte der Antisemit Robert Fischer zwei jüdische Elternteile.

Links
JudentumHarald E. Balló: Siegbert Tarrasch: Schachspieler, Arzt, Deutscher, Jude
JudentumNathan Lopes Cardozo: Why Chess Is Like the Talmud, and Why Jews Love Both, the algemeiner, February 2, 2016
JudentumCheckmate – Jewish chess players, The Jewish Miracle, 11. Mai 2012
JudentumJews in Chess
JudentumMartin Krauss: „Arischer Angriff“ und „jüdisches Remis“. Wie der Antisemitismus Einzug in die Schachtheorie hielt. 29.01.2009
JudentumList of Jewish chess players
JudentumRobert Misik: Haben die aschkenasischen Juden ein Intelligenz-Gen? Taz, 4.7.2006
Moritz Steinschneider: „Schach bei den Juden: ein Beitrag zur Cultur- und Litteratur-Geschichte”. Berlin: Springer, 1873. Auszug aus: Antonius van der Linde: Geschichte und Bibliografie des Schachspiels. Geschichte und Litteratur des Schachspiels. Berlin 1874, S. 155–201. JudenOnline verfügbar
Judentum Schach
JudentumSchachmatt – Wie Bobby Fischer - Schachweltmeister, Jude und Antisemit - sich selbst ins Aus manövrierte
JudentumNatan Sharansky: How Chess Helped the Jews Survive in the Soviet Union, Filmed at Limmud Conference 2014
JudentumEdward Winter: Chess and Jews. 2003, with subsequent additions
Literatur
Edmund Bruns: Das Schachspiel als Phänomen der Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. LIT, 2003
Victor A. Keats: Chess Among the Jews. Edwin Mellen Press 1995
Victor A. Keats: Chess in Jewish History and Hebrew Literature. Hebrew University Magnes Press 1995
Joachim Petzold: "Ein Lied der Vernunft Schach: Die Welt in 64 Feldern". Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte 50:4, 1998. S. 360-369
Harold U. Ribalow, Meir Z. Ribalow: The Great Jewish Chess Champions. Hippocrene Books, 1987
Steinschneider, Moritz (1873): „Schach bei den Juden. Ein Beitrag zur Cultur– und Litteraturgeschichte”. In: Antonius van der Linde (1873): Geschichte und Bibliografie des Schachspiels, S. 155-201– Judenonline
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Beckhardt JudenLorenz S. Beckhardt: Der Jude mit dem Hakenkreuz: Meine deutsche Familie. Berlin: Aufbau, 2016. Taschenbuch, 480 Seiten Bobker
Joe Bobker: Can I Play Chess on Shabbas?: The Do's and Don'ts of Shabbas, Made Simple! Gefen, 2008. Gebunden, 292 Seiten Juden
Fine JudenGary Alan Fine: Players and Pawns: How Chess Builds Community and Culture. Chicago, London: The University of Chicago Press, 2015. Gebundene Ausgabe: 288 Seiten Hillenbrand
Klaus Hillenbrand: Fremde im neuen Land: Deutsche Juden in Palästina und ihr Blick auf Deutschland nach 1945. Frankfurt: S. Fischer, 2015. Gebunden, 416 Seiten Juden
Königseder JudenAngelika Königseder, Juliane Wetzel: Lebensmut im Wartesaal: Die jüdischen DPs (Displaced Persons) im Nachkriegsdeutschland. Frankfurt: Fischer, 2004. Taschenbuch, 277 Seiten – Juden Rezension Wartesaal
Jim Tobias, Nicole Grom: Gabersee und Attel. Wartesäle zur Emigration: Die jüdischen Displaced Persons Camps in Wasserburg 1946-50. Mit einem Beitrag von Matthias Haupt. Nürnberg: ANTOGO, 2016. Broschiert, 174 SeitenJuden
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