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Collins
Sam Collins: Schacheröffnungen richtig verstehen
London: Gambit, 2006. Broschiert, 223 Seiten. [Understanding the Chess Openings] Bettina Trabert, Übs.
Collins LinksCollins Literatur

Das Kompendium Sam Collins: Schacheröffnungen richtig verstehen ist keine allgemeine Lehre der Schacheröffnungen, sondern geht konkret auf die Palette nahezu aller Eröffnungen ein. Es ist kein Repertoirebuch, es behandelt die Eröffnungen für beide Seiten, wenngleich Collins Schwerpunkte setzt.
Sam Collins ist ein Internationaler Meister aus Irland, * 1982.
Er gliedert das Werk im Wesentlichen in diese fünf Teile:
  1. Offene Spiele (42 Seiten)
  2. Halboffene Spiele (64 Seiten)
  3. Damengambit (29 Seiten)
  4. Indische Verteidigungen (57 Seiten)
  5. Flankeneröffnungen (17 Seiten)
Dass ich dabei Schottisch mit nur 2 Seiten unterrepräsentiert finde, liegt mit daran, dass Schottisch meine erste Wahl im Anfängerunterricht ist. Andere Lehrende und Lernende werden das wieder anders sehen.
Vor jeder bedeutenden Schacheröffnung setzt Collins einen erläuternden Abschnitt, oft mit Besprechung der resultierenden Bauernstruktur und der Hebel, die beiderseitig angesetzt werden können. Auch mögliche Pläne für beide Seiten werden vorgestellt.

Kritik
Manche Kommentare des Autors fallen für das Zielpublikum zu knapp aus. Im "Halbslawisch" schreibt er z.B. "e3 hat keinen Wert" (S. 139). Das muss man begründen (weil Weiß dann einen Bauer weniger ohne Kompensation hat).
Manche Einschätzungen sind diskussionswürdig, so beim Möllerangriff 7. Sc3 ?! (S. 15). Schon das "?!" verdient ein ?!. Dann aber führt Collins dazu aus: "... wenn Schwarz gut vorbereitet ist, sollte er keine Probleme haben, mit einem entscheidenden Vorteil aus der Eröffnung herauszukommen".
Wäre nach "keine Probleme haben" ein Punkt, könnte man noch einigermaßen einverstanden sein. Schwarz hat in allen Varianten – soweit bisher bekannt – Ausgleich. Doch der Text geht weiter und den entscheidenden Vorteil für Schwarz (der noch dazu ohne Probleme erzielbar sei!) sucht man vergeblich. Hier hat die Übersetzerin etwas geschluddert. Im Original ist der Vorteil "sizeable", was ich eher mit "spürbar" übersetzen würde.
Sehen wir uns an, welche Abschlussbeurteilung Sam Collins dieser Variante mit 13. ... h6! (nicht 13. ... 0-0, das das Opfer 14. Sxh7 erlaubt) und 16. dxe6 f6 gibt: „Schwarz hat einen Mehrbauern bei grundsolider Stellung” (S. 16). Das ist  bei der Zielgruppe des Werks (dazu im Fazit mehr) sicher kein entscheidender Vorteil.
Übersetzung
Die Übersetzung durch Bettina Trabert, eine deutsche Schachgroßmeisterin der Frauen, ist im Großen und Ganzen hervorragend. Einiges gibt es allerdings zu bemängeln.

Ein Rezensent bei amazon.de wurde von der Kapitelüberschrift "5.Lg5 und Botwinnik-Variante" verwirrt. Er vermisste nach der eingehenden Besprechung von 5.Lg5 auf zwei Seiten die angekündigte "und Botwinnik-Variante", nicht wissend, dass 5.Lg5 die Botwinnik-Variante einleitet, wenn auch noch Abweichungen davon, etwa die Moskau-Variante, entstehen können. Im Original fehlt der Botwinnik in der Überschrift und im folgenden Originaltext auch. Ähnliches kann man zum folgenden Abschnitt " 5 e3 und Meraner Variante" sagen. Hier gibt allerdings das Original "5 e3 and the Meran" vor. In beiden Abschnitten hätte Collins aber zumindest in einem Satz auf den Ursprung des Namens hinweisen müssen und die Übersetzerin nicht "und Botwinnik-Variante" ergänzen sollen.

Sam Collins teilt Italienisch in "Giuoco Piano" (3. ... Lc5) und "Two Knights" (3. ... Sf6) auf. Im deutschen Sprachgebrauch wird hier zwischen Italienisch (3. ... Lc5) und Zweispringerspiel oder auch Zweispringerspiel im Nachzug (3. ... Sf6) unterschieden. Giuoco Piano ist im Deutschen ungebräuchlich. Hier hätte die Übersetzerin die beiden deutschen Ausdrücke verwenden sollen/können. 
Collins: Schacheröffnungen richtig verstehen ist im Vergleich mit z.B. Kállai: Buch der Eröffnungen im guten Sinne wortlastig. Andere vergleichbare Werke wie van der Sterren: Fundamental Chess Openings oder Watson: Mastering the Chess Openings sind bedeutend umfangreicher, aber dafür natürlich auch weniger einprägsam. Die einzige Alternative (Umfang, Erläuterungen) ist Yasser Seirawan: Winning Chess Openings, das jedoch nicht auf deutsch vorliegt.
Fazit
Für Schachspieler, die über das Anfängerstadium hinaus sind (also etwa ab DWZ 1000) bis zum Vereinsspieler, ist Collins: Schacheröffnungen richtig verstehen eine sehr gute Wahl. Für deren Eröffnungstudium ist es mehr als ausreichend. Man erinnere sich an GM Valentin Arbakov, der zu einen 2000-er-Spieler, der die Eröffnungsphase einer Turnierpartie analysieren wollte, sagte:  „Mensch, auf deinem Niveau spielt Eröffnung keine Rolle.“
Das stimmt zwar nicht, aber der Collins reicht. 
Alternative Eröffnungsbücher
John Emms: Discovering Chess Openings
Gábor Kállai: Buch der Eröffnungen
Yasser Seirawan: Winning Chess Openings
Paul van der Sterren: Fundamental Chess Openings  (FCO)
Pete Tamburro: Openings for Amateurs
John Watson: Mastering the Chess Openings (4 Bände)
Links
CollinsMartin Schaffeld: Schachspieler und Musiker, Chessbase 9.05.2017
CollinsBettina Trabert
CollinsBastian: Buchvorstellung: Schacheröffnungen richtig verstehen von Sam Collins (Video)
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Collins CollinsSam Collins: Schacheröffnungen richtig verstehen. London: Gambit, 2006. Broschiert, 223 Seiten. [Understanding the Chess Openings] Bettina Trabert, Übs.
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Sam Collins: Understanding the Chess Openings. How Modern Openings Are Played: A Comprehensive Guide. London: Gambit, 2005. Broschiert, 224 Seiten Collins
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 10.1.2018