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zensur
Forderungen nach Selbstzensur und Verurteilung von Selbstzensur
Je nach Religion und Herkunft propagieren Politiker dieses oder jenes
zensur Mozart: Idomeneozensur Madonna am Kreuzzensur MTV: Popetown
zensur Bemerkenswerte Selbstzensurzensur Satire auf Islam: Meinungsfreiheit – auf den Papst: scharfer Protest
zensur Zensur in Deutschland wird vielfach praktiziert
Absetzung einer Inszenierung von W.A. Mozart: "Idomeneo" an der Deutschen Oper Berlin
Die geplante Wiederaufnahme von Mozarts „Idomeneo“ ab dem 5. November 2006 an der Deutschen Oper Berlin in der Inszenierung von Hans Neuenfels wurden wegen einer umstrittenen Szene durch die Opernintendantin Kirsten Harms abgesagt. Hintergrund ist eine Gefährdungsanalyse des Berliner Landeskriminalamts (LKA). Nach Kirsten Harms hat das LKA die Absage zwar nicht explizit vorgeschlagen, aber Sie selbst im Interesse der Sicherheit ihrer Mitarbeiter und der bis zu 2000 Zuschauer dafür entschieden, „weil die Risiken nicht zu kalkulieren sind“. In der Abschlussszene der Oper tritt der entmachtete Idomeneo auf. Er enthauptet die Glaubensautoritäten Poseidon (Vertreter der antiken Götterwelt), Jesus, Buddha und Mohammed und präsentiert ihre Köpfe als Trophäen in einem Sack. Erst wenn die Götter tot sind, ist der Mensch frei. Die Welt 25.09.2006
Die bildliche Darstellung Mohammeds gilt im Islam als Gotteslästerung. Die bildliche Darstellung Gottes ist eigentlich auch für Bibeltreue verboten: "Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist" Exodus 20,4, doch was nicht passt, ignorieren Christen gerne.
Stimmen zur Selbstzensur
Günther Beckstein, Vorsitzender der Innenministerkonferenz, CSU: „Es ist unerträglich, dass die Angst vor islamistischem Terror die Absetzung der Oper bewirkt hat. Das ist ein gefährliches Signal für die Kunst- und Meinungsfreiheit“. Die Welt 27.09.2006
Der kultur- und medienpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Börnsen: „Mit der Berliner Opernentscheidung, die einem Kniefall vor Terroristen gleichkommt, wird die Szene der Radikalen geradezu ermutigt, weiter vermehrt Druck und Drohung auf die abendländische Kultur und das Christentum auszuüben“. Die Welt 26.09.2006
Wolfgang Bosbach, CDU, warnte vor „Selbstzensur“. Die Welt 26.09.2006
Joachim Herrmann, Vorsitzender der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag: „Es war sicher ein Fehler eine Oper aus Angst vor islamischer Gewalt abzusetzen. Besser wäre es aber gewesen, die Berliner Neuenfels-Inszenierung der Mozartoper Idomeneo schon früher zu hinterfragen.“ 27.9.2006
An Herrmanns Haltung ist zu begrüßen, dass er als einer der wenigen Politiker, konsequent gegen die Meinungsfreiheit eingestellt ist: er verurteilt "Popetown" (herrmann Herrmann zu Popetown) und die Inszenierung von "Idomeneo" gleichermassen. Andrerseits widerspricht er sich selbst: er bezeichnet die Absetzung der Oper als Fehler, meint aber, das hätte schon früher geschehen müssen.herrmann
Eher verhalten und ausgewogen, wohl im Hinblick auf Zensurforderungen seitens der Katholischen Kirche (Madonna, Popetown) und Freiheit der Rede andrerseits (Islam-Zitat von Joseph Ratzinger in Regensburg September 2006) äußerte sich Karl Lehmann, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (katholisch): "Es gibt eine zerbrechliche Balance zwischen dem Recht der Kunst und der freien Meinungsäußerung auf der einen sowie dem Recht auf Achtung und Respekt vor der religiösen Überzeugung auf der anderen Seite." OVB, 30.9.2006, S. 4
Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU: „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht aus Angst vor gewaltbereiten Radikalen immer mehr zurückweichen. Selbstzensur aus Angst ist nicht erträglich“.
Die Welt 27.09.2006
Kulturstaatsminister Bernd Neumann, CDU, warnte ebenfalls vor Selbstzensur in der Kunst.
Die Welt 26.09.2006
Peter Ramsauer, CSU: „Das ist ein ungeheuerlicher Vorgang, den hat es so in dieser Form in Deutschland überhaupt noch nicht gegeben.“ „... das ist die nackte Angst vor Gewalt. Das ist nichts als pure Feigheit“. Die Welt 26.09.2006
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, CDU, reagierte empört: „Das ist verrückt“. Die Welt 25.09.2006
Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse, SPD: „Soweit ist es gekommen, dass die Freiheit der Kunst eingeschränkt wird.“ ... „Was wird das nächste sein? Werden wir die Freiheit der Rede oder der Predigt einschränken, nur weil wir Angst haben vor möglichen Anschlägen?“. Die Welt 26.09.2006
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Madonna am Kreuz
Madonna führte in ihrer aktuellen Bühnenshow eine umstrittene Kreuzigungs-Szene auf. Nach Protesten christlicher Gruppen schlug sich die gewagte christliche Symbolik für Madonna in barer Münze aus. Die "Confessions"-Tournee ist laut geschätzten Angaben der Veranstalter mit knapp 200 Millionen Dollar Gewinn aus 60 Auftritten die Tour mit den höchsten Einspielzahlen einer weiblichen Künstlerin. Spiegel Online 22. September 2006
Zu ihrem Konzert in Rom hatte Madonna den Papst Joseph Ratzinger eingeladen, um auf die Kritik der katholischen Kirche zu reagieren. Dieser kam nicht zur umstrittenen Bühnenshow "Confessions On A Dancefloor". Madonna begeistert Römer mit Kreuz und Krone
madonnaVideo mit MadonnamadonnaTextmadonnaMadonna - Confessions Tour 2006
Stimmen mit Forderung nach Zensur oder Selbstzensur
Katholische, muslimische und jüdische Geistliche bezeichneten die Sängerin Madonna wegen der umstrittenen Szene bei ihrer "Confessions"-Tour als "Gotteslästerin".
Die Landesbischöfin Margot Käßmann, Hannover, rief zu einem Boykott auf. Beim Konzert in der Düsseldorfer LTU-Arena blieb kein Klappsitz frei. Die Welt 21.08.2006
Pater Manfredo Leone von der Santa Maria Liberatrice Kirche in Rom: "Es ist respektlos, geschmacklos und eine Provokation. Wie ein moderner Christus mit einer Dornenkrone am Kreuz aufzutreten ist absurd. Dies in der Wiege des Christentums zu tun kommt der Gotteslästerung nahe."
Madonna: "Mein Auftritt ist weder anti-christlich, frevlerisch, noch blasphemisch. Vielmehr ist es mein Appell an das Publikum, die Menschheit dazu zu ermutigen, einander zu helfen und die Welt als einheitliches Ganzes zu betrachten." Spiegel Online 22. September 2006
Kardinal Ersilio Tonini zur Zeitung «La Stampa»: «Sich in der Stadt des Papstes und der Märtyrer selbst zu kreuzigen, ist ein Akt offener Feindseligkeit. Es ist ein Skandal, der von listigen Geschäftsleuten ersonnen wurde, um die öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen.» madonnaNetzeitung
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Britische Zeichentrick-Serie "Popetown" im Musikkanal MTV, Start am 3. Mai 2006
In der TV-Serie geht es um den Helden Pater Nicolas, einen "durchgeknallten Papst", einen "kriminellen Kardinal" (MTV-Werbung): Gezeigt wird der satirisch überspitzte Alltag im Vatikan. Dabei ist ein leeres Kreuz zu sehen, vor dem Christus mit Dornenkrone vor einem Fernsehgerät sitzt und lacht. Es handelt sich um einen "durchgeknallten Papst" und einen "kriminellen Kardinal", die unter anderem Waisenkinder in die Sklaverei verkaufen (MTV Werbetext).
Entgegen der vielfachen Aufrufe zur Selbstzensur will MTV wird alle zehn Folgen der umstrittenen Cartoonserie "Popetown" zeigen. MTV wollte über eine mögliche Absetzung der BBC-Serie diskutieren. Vertreter der katholischen Kirche, die gegen die Serie protestierte, waren der Studiodiskussion allerdings ferngeblieben. Die Welt 10.05.2006
"Erfolg" der Zensur-Aufrufe: MTV verdreifacht mit "Popetown" den Marktanteil. Die Welt 5.05.2006
Die katholische Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) haben im Kampf gegen die Zeichentrickserie "Popetown" einen Teilerfolg erreicht: Die Kirchen legten beim Deutschen Werberat Beschwerde gegen eine Zeitschriftenanzeige von MTV für die umstrittene Vatikan-Satire ein. Der Deutsche Werberat sprach eine Rüge wegen der Verletzung religiöser Empfindungen aus. MTV zog die Werbung zurück. Die Welt 12.04.2006
popePopetown bei MTV
Stimmen mit Forderung nach Zensur oder Selbstzensur
Petra Bahr, Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, blieb kühl: "Popetown infantilisiert den Papst, kriminalisiert die Kardinäle und sexualisiert Nonnen". ... "Aber weder Gott noch Jesus Christus, noch gläubige Menschen werden verspottet." Die Welt 27.04.2006
Joachim Herrmann, CSU-Fraktionsvorsitzender im Bayerischen Landtag forderte schärfere Gesetze der Zensur, "um religiöse Inhalte und Symbole stärker als bisher strafrechtlich zu schützen". Er hält es für "nicht hinnehmbar, daß der christliche Glaube besonders in den Schmutz gezogen wird, nur weil das bequemer und weniger gefährlich ist". Die Welt 12.04.2006
Joachim Herrmann, CSU, reichte bei der Berliner Staatsanwaltschaft gar eine Klage gegen eine "Popetown"-Werbeanzeige ein: Blasphemie-Verdacht. Die Welt 11. Juni 2006
Auf "Stoppt Popetown" (popeStoppt Popetown) werden Flugblätter, T-Shirts und Aufkleber mit Aufrufen gegen die Serie vertrieben. Die Hass-Kampagne gegen die TV-Serie wird durch die Angabe der Geschäftsadresse der MTV-Chefin Catherine Mühlemann kanalisiert. Chefredaktion der umstrittenen Kampagne zu Zensur: Birgit Kelle.
Justizministerin Beate Merk, CSU: "Auch die Kunstfreiheit darf nicht als Vorwand dafür genommen werden, den Glauben anderer zu verhöhnen und zu verspotten". Sie sieht gute Chancen, die Verschärfung des § 166 des Strafgesetzbuchs durchzusetzen. Die Welt am Sonntag 23. April 2006
ZdK-Präsident Hans Joachim Meyer, Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) protestiert gegen die geplante Ausstrahlung der Serie "Popetown" im Musikkanal MTV und will rechtliche Schritte wegen "schwerwiegender Störung des öffentlichen Friedens" prüfen. Die Welt 10.04.2006
Kulturstaatsminister Bernd Neumann, CDU, forderte die Programmverantwortlichen bei MTV zur Selbstzensur auf. Die Welt 24.04.2006
Der Vorsitzende der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) der Landesmedienanstalten Wolf-Dieter Ring forderte den Sender MTV zur Selbstzensur auf. Aus einem offenen Brief an MTV-Geschäftsführerin Catherine Mühlemann: "Sicherlich ist Ihnen nicht entgangen, daß es hinsichtlich der geplanten Ausstrahlung der Zeichentrickserie "Popetown' fundamentale Kritik aus verschiedenen Teilen der Gesellschaft gibt, ohne daß derzeit tatsächlich Details der Serie bekannt sind."
Die Welt 13.04.2006
Ministerpräsident Edmund Stoiber, CSU: "Der Staat muß die religiösen Gefühle seiner Bürger besser schützen". Er beauftragte seine Justizministerin Beate Merk, CSU, eine entsprechende Verschärfung der zensorischen Gesetze vorzubereiten. Die Welt am Sonntag 23. April 2006
Kardinal Friedrich Wetter sieht in der TV-Serie, die er anscheinend schon vor der Ausstrahlung gesehen hat, "nicht nur für gläubige Menschen eine schwerwiegende Provokation". Die Welt 12.04.2006
Der Bundesvorsitzende der Senioren-Union, Otto Wulff, forderte die zuständigen Medienanstalten der Länder auf, dem Jugendsender MTV die Sendelizenz zu entziehen, falls er an der Ausstrahlung festhalte. Die Welt 24.04.2006
Ingeborg Zahrnt, Justiziarin der Berliner Landesmedienanstalt MABB, für die Lizenzaufsicht von MTV zuständig: "Es gibt hierzulande keine Vorzensur". Die Welt 12.04.2006
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