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Genz, Henning
Henning Genz: Wie die Naturgesetze Wirklichkeit schaffen. Über Physik und Realität
München: Hanser, 2002. 364 Seiten – Genz Zitate Henning Genz
Wie schon bei Genz Steven Weinbergs Der Traum von der Einheit des Universums geht es bei Wie die Naturgesetze Wirklichkeit schaffen nur vordergründig um Physik, es ist vielmehr ein philosophisches und wissenschaftstheoretisches Buch. Und es ist ein hervorragendes philosophisches Buch. Genz fasst es im letzten Absatz unübertrefflich zusammen:
"Wir wollen es dabei belassen, daß die Realität der Welt uns insofern verborgen ist und wohl auch bleiben wird, als diese sich nicht durch Gesetze äußert, die auf unserer Ebene erkennbare Auswirkungen besitzen oder besitzen werden. Durch die Auswirkungen haben wir erkannt, daß erstens unsere Prinzipien nur unsere sind, also auf tieferen Ebenen nicht gelten, und daß zweitens auf den tieferen Ebenen kein gesetzloser Zustand herrscht, sondern einer, der Prinzipien unterliegt. Auf jeden Fall besitzen die Naturgesetze eine härtere und klarere Realität als die Objekte, von denen sie sprechen." (S. 339)
Henning Genz ist Professor am Institut für Theoretische Teilchenphysik an der Universität Karlsruhe, das garantiert, daß die physikalischen Theorien umfassend und richtig dargestellt werden. Und wirklich: ich lernte viel Neues über die Entstehung des wissenschaftlichen Weltbilds, die Relativitätstheorien, die Quantenmechanik. Doch der große Vorteil dieses Buches ist, daß auch die philosophischen Aspekte angemessen berücksichtigt und diskutiert werden. Da geht es um Platon, Aristoteles, Descartes, Leibniz, Hume, Kant, Russell, Carnap, Popper. Vielleicht geht Genz dabei zu kategorisch davon aus, daß alle Philosophen Position gegen den Realismus beziehen. Das trifft nicht zu. Ganz wichtig ist dem Autor die Berechtigung induktiver Schlüsse zu untermauern. Entscheidend dafür ist ein Antwort auf die Frage: Weshalb? Denn die wissenschaftlichen Theorien haben nur nebenbei die Aufgabe korrekte Vorhersagen zu machen, primär geht es um eine Erklärung, um eine Erkenntnis der Funktion und Zusammenhänge. Dabei gesteht Genz jederzeit zu: Ein sicheres Wissen über die Zukunft gibt es nicht. Aber ein Verständnis der Vergangenheit, am besten durch ein Naturgesetz formuliert, begründet die Erwartungen an die Zukunft. Erhellend waren für mich auch die Ausführungen zu den verschiedenen Gesetzesebenen (S. 304ff) und zu Goethes Farbenlehre (S. 79ff). Die Kritik an Goethe empfand ich hart, doch nachdem ich Goethes Polemik gegen Newton im Original gelesen hatte, fand ich Genzs Kapitel über "Die Welt als Organismus" durchaus angemessen.
Vergleiche genz Die Farbenlehre Goethes und Newtons im Kapitel 42 "The Whiteness of the Whale" von Moby Dick.
Wer eine – zugegeben anspruchsvolle – Darstellung des physikalischen / philosophischen Weltbilds aus der Sicht eines engagierten Physikers lesen will, der ist mit Wie die Naturgesetze Wirklichkeit schaffen bestens bedient. Sehr empfehlenswert.
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Henning Genz Henning GenzHenning Genz: Wie die Naturgesetze Wirklichkeit schaffen. Reinbek: Rowohlt, 2004. Broschiert, 448 Seiten Henning Genz
Henning Genz: Wie die Naturgesetze Wirklichkeit schaffen. München: Hanser, 2002. Gebunden, 364 Seiten Henning Genz
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Genz, Henning
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 4.4.2004