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Sorensen
Roy Sorensen: A Brief History of the Paradox: Philosophy and the Labyrinths of the Mind
New York: Oxford UP, 2005. Broschiert, 394 Seiten – Sorensen LinksSorensen Literatur
Roy Sorensen beginnt seine gar nicht so kurze Geschichte des Paradox mit einem. Er widmet das Werk denjenigen, denen nie ein Buch gewidmet wird. Bin ich jetzt dabei? Dieses versteckte Lügnerparadox plagt die denkenden Menschen vom Alterum bis heute. Entsprechend nimmt es in Sorensens lesenwerten Abhandlung breiten Raum ein.
Sorensen streift in 24 Kapitel durch die Geschichte anhand der Philosophen von Anaximander über Sextus Empiricus, Leibniz, Kant bis Quine. Nahezu alle bedeutenden Denker haben sich mit Paradoxa auseinandergesetzt. Sie markieren die Bruchlinien im gesunden Menschenverstand (S. xii). Sind sie wirklich so wichtig? Und ob, Zenos Paradoxien brachten die Mathematik voran, Russells Paradox untergrub Freges Vorhaben die Mathematik auf Logik zurückzuführen.
Parmenides und Sokrates wird die Haltung zugesprochen “follow the argument wherever it leads”. Sokrates blieb bei dieser Haltung bis in den Tod. Doch was ist, wenn zwei plausible Argumente zu inkonsistenten Folgerungen führen? Obwohl Sorensen den Begriff des Paradox weiter sieht, ist das der Kern der Probleme, mit denen sich Philosophen und Mathematiker durch die Jahrhunderte konfrontiert sahen.
Der Leser darf einen lockeren Gang anhand bedeutender Philosophen erwarten, es ist immer ein höchst kurzweiliger Gang. Das Register erschließt die Paradoxa und philosophischen Probleme, die ansonsten durch den historischen Aufbau manchmal schlecht zu orten sind. Bei Blaise Pascal findet man beispielsweise das Monty Hall Problem (S. 224-226; Links), bei Thomas Reid das Design Argument der Religionsphilosophie (S. 273; siehe Intelligent Design unter Sorensen Links).
Dabei schweift der Autor schon mal ab – hier ähnelt er dem Universalphilosophen Daniel C. Dennett (Sorensen Links) – sehr zum Vergnügen der Leser, denn Sorensen wirft dabei immer gute Fragen auf.
• Im Kapitel zu Parmenides beispielsweise behandelt er das Problem der negativen Existenzaussagen. Muss nicht jede Aussage, die Wahrheit beansprucht, über irgendetwas was aussagen? (S. 29)
Aristoteles veranlasst den Autor zu einem Abstecher in ein Schachproblem von Lord Dunsany (S. 116-117; Links).
• Die Stoiker führen zur Gaia-Hypothese von James Lovelock (S. 134).
• Die Beschäftigung mit Thomas von Aquin veranlasst die beißende Kritik Bertrand Russell an den überschätzten Philosophen (als guter Theologe mag er wohl durchgehen) zu diskutieren; siehe Thomas von Aquin und die Kritik durch Bertrand Russell, Sorensen Links.
• Ganz nebenbei erfährt man, dass die endliche Anzahl der Objekte im Universum ungerade ist (S. 362) und es wird bewiesen, dass es keine uninteressante natürliche Zahl gibt (S. 363; siehe Es gibt keine uninteressante natürliche Zahl; Sorensen Links) – Dabei unterliefen zwei kleine Fehler: das einschlägige Buch von François Le Lionnais ist Les Nombres remarquables und nicht Nombres remarguables. Es geht also nicht um irgendwelche bemerkenswerte Zahlen, sondern um die bemerkenswerten Zahlen. Und „remarquables“ schreibt sich mit „q“.
• Auch Ausflüge in die Literatur gibt's: William Shakespeare, John Milton, Mark Twain, Ray Bradbury, u.a.
Der historische Aufbau nötigt zu Wiederholungen. Das Lügner-Paradox in seinen verschiedenen Ausprägungen hat sehr viele Philosophen beunruhigt. Das erlaubt oft keine zusammenfassende Behandlung der einzelnen Paradoxa. Wahrscheinlichkeitstheorie und Mengenlehre (siehe Hilberts Hotel unter Sorensen Links) werden andiskutiert, aber zur notwenigen Tiefe reicht der Platz nicht.
A Brief History of the Paradox: Philosophy and the Labyrinths of the Mind wird sowohl dem Titel als auch dem Untertitel gerecht. Man kann es als besondere Philosophiegeschichte lesen, Sprachphilosophie, Erkenntnistheorie, Logik, Philosophie des Geistes und Metaphysik eingeschlossen. Für Laien, Experten und Wissbegierige zur Geistesgeschichte ist dieser abschweifende Gang durch die Philosophiegeschichte sehr empfehlenswert.
Links
SorensenAchilles und die Schildkröte
SorensenCline, Austin: A Brief History of the Paradox: Philosophy and the Labyrinths of the Mind
SorensenColyvan, Mark (2011): "A Parade of Paradoxes" (pdf)
Sorensen Daniel C. Dennett: Consciousness Explained
Sorensen Daniel C. Dennett: Darwin's Dangerous Idea. Evolution and the Meaning of Life
Sorensen »Es gibt keine uninteressante natürliche Zahl«
SorensenDanny Frederick (2009). To Follow the Argument Wherever It Leads. The Reasoner 3 (11):5-6. Should We Follow The Argument Wherever It Leads? Expanded version of a paper that appeared in The Reasoner, 3/11 (2009): 5-6.
Sorensen Hilberts Hotel
Sorensen Intelligent Design
SorensenBeall, JC and Glanzberg, Michael, "Liar Paradox", The Stanford Encyclopedia of Philosophy
Sorensen Literatur und Links zu Paradoxien
Sorensen Lotterie-Paradox
Sorensen Monty Hall Problem
Sorensen Philosophen
SorensenA. D. Irvine: "Russell's Paradox", The Stanford Encyclopedia of Philosophy
Sorensen Schachproblem von Lord Dunsany
SorensenRoy Sorensen. Department of Philosophy Washington University in St. Louis, MO
SorensenSorensen, Roy (2006): "Epistemic Paradoxes", The Stanford Encyclopedia of Philosophy
Sorensen Thomas von Aquin und die Kritik durch Bertrand Russell
Sorensen Vorwort Paradox
SorensenZenon von Elea
Sorensen Zitate Roy Sorensen
Literatur
Lee, Byeong (1998): "The Paradox of Belief Instability and a Revision Theory of Belief". Pacific Philosophical Quarterly 79:4, S. 314-328.
Sorensen, Roy (2005): "A Reply to Critics". Philosophy and Phenomenological Research 71:3, S. 712-728.
Sorensen, Roy (1999): "Infinite "Backwards" Induction Arguments". Pacific Philosophical Quarterly 80:3, S. 278-283.
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Sorensen SorensenRoy Sorensen: A Brief History of the Paradox: Philosophy and the Labyrinths of the Mind. New York: Oxford UP, 2005. Broschiert, 394 Seiten Sorensen
Roy Sorensen: A Brief History of the Paradox: Philosophy and the Labyrinths of the Mind. New York: Oxford UP, 2005. Broschiert, 394 Seiten Sorensen
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