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Michael Clark: Paradoxes from A to Z
London, New York: Routledge, 2007. Taschenbuch, 256 Seiten – Clark LinksClark Literatur
Die zweite Auflage (2007) der Paradoxes from A to Z stellt nunmehr 84 Paradoxien in alphabetischer Folge vor. Jedes Paradox wird auf 1-8 Seiten besprochen.
Paradoxien können Denkspiele sein, aber auch gewaltige Umbrüche und Neuanfänge nach sich ziehen. Dafür zitiert Clark den wirkungsmächtigen Philosophen Willard V.O. Quine:
“More than once in history the discovery of paradox has been the occasion for major reconstruction at the foundations of thought.”
W.V.O. Quine (1997): The Ways of Paradox and Other Essays [1966], S. 1
Jedem Paradox wird eine kurze Zusammenfassung vorangestellt. Hier kann man sich kurz informieren, was unter dem Schlagwort gemeint ist. Viele Paradoxien kursieren ja unter ganz unterschiedlichen Bezeichnungen. Dann folgt eine mehr oder weniger lange Diskussion. Auf  verwandte Paradoxien wird verwiesen. So findet man unter "Wang's Paradox" Hinweise auf das Haufenparadox und auf "Quine's Paradox".
Zu "Wang's Paradox" wird beispielsweise die Konklusion plausibel gemacht.
Wang's Paradox beruht auf diesem induktivem Argument:
(1) 0 ist klein.
(2) Wenn n klein ist, dann ist n + 1 klein.
Daher: (3) Jede Zahl ist klein.
Mit Michael Dummett (siehe Clark Literatur; nebenbei: Dummett starb wenige Tage vor dieser Besprechung: † 27. Dezember 2011) verteidigt Clark die Folgerung, dass jede natürliche Zahl klein ist. Jede natürliche Zahl ist größer als endlich (oder wenige) viele andere natürlichen Zahlen, aber klein gegenüber unendlich vielen. Diesen Gedanken aus etwas anderer Perspektive drückt der Befund “Five is a sufficiently close approximation to infinity” (Robert Firth, Schauspieler) aus. Trotz all diesem mutet uns die Konklusion als paradox an.
Jeder Eintrag wird durch ein bewusst kurz gehaltenes Literaturverzeichnis abgeschlossen. Schwierigere Texte sind durch ein * gekennzeichnet.
Bei aller Knappheit vermitteln die Besprechungen einen guten Eindruck der Problematik. Aus Erfahrung weiß ich, dass manche Paradoxien dem Laien nicht als paradox zu vermitteln sind. Es benötigt oft einige Denkarbeit um das Problem als solches zu erkennen. Noch mehr Arbeit bedarf es die Reichweite mancher Paradoxien zu erkennen.
Hilfreich ist zudem ein eigener Eintrag zu "Paradox". Darin erläutert Clark seine ziemlich weite Auffassung zu diesem Begriff. Ganz kurz spricht er Lösungsmöglichkeiten an, etwas ausführlicher gliedert er darin die Paradoxien in sinnvolle Kategorien.
Clark offenbart seinen Humor unter "Acknowledgements":
„If only to provide an example for the paradox of The Preface, I have to acknowledge my own responsibility for the errors this book will inevitably contain.“ S. xiii
Streng genommen ist es kein Beispiel für das Vorwortparadox, sondern eines für das Paradox der Danksagung ("Acknowledgements"). Siehe auch Philosophischer Humor, Clark Links.
• Zumindest eine Literaturangabe ist lückenhaft: J. C. Beall, Analysis 2000 (S. 150, ohne Titel oder Seitenangaben). Da J. C. Beall im Jahr 2000 zwei Artikel in Analysis veröffentlicht hat, muss man inhaltlich einsteigen. Ich fand “A Neglected Response to the Grim Result” (Clark Literatur).
• Auch Angaben im Text auf den Ursprung eines Paradox bleiben oft ohne konkrete Literaturangabe. Das mag bei allgemeine Zuschreibung auf z.B. Aristoteles durchaus angebracht sein, aber der blanke Hinweis auf Makinson (1965) beim Vorwortparadox (S. 158) hilft wenig weiter.
Die Gratwanderung zwischen Verständlichkeit für den interessierten Laien und knapper Einführung für Studierende ist mit Paradoxes from A to Z ausgezeichnet gelungen. Da das Buch in der zweiten Auflage zudem auf dem neuesten Stand ist, sollte es die erste Wahl für diese Thematik sein.
Alternativen
R. M. Sainsbury: Paradoxien kann man zusätzlich zu Rate ziehen. Eine etwas tiefere philosophische Behandlung ausgewählter Paradoxien bietet Doris Olin: Paradox. Mehr geschichtlich orientiert und aufgebaut ist Roy Sorensen: A Brief History of the Paradox: Philosophy and the Labyrinths of the Mind.
Links
ClarkParadox(on) (Wikipedia, deutsch)
ClarkParadox (Wikipedia, englisch)
Clark Literatur und Links zu Paradoxien
ClarkEpistemic Paradoxes
ClarkList of paradoxes
Olin Doris Olin: Paradox
Clark Philosophischer Humor
Clark Willard V.O. Quine
Clark R. M. Sainsbury: Paradoxien
Clark Roy Sorensen: A Brief History of the Paradox: Philosophy and the Labyrinths of the Mind
Literatur
Dummett, Michael (1975): “Wang’s Paradox”. Synthese 30, S. 301-324.
Beall, J. C. (2000): “A Neglected Response to the Grim Result”. Analysis 60:1, S. 38-41.
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clark ClarkMichael Clark: Paradoxes from A to Z. London, New York: Routledge, 2007. Taschenbuch, 256 Seiten Clark
Michael Clark: Paradoxien von A bis Z. Ditzingen: Reclam, 2012. Volker Ellerbeck, Übs. Broschiert, 320 Seiten Clark
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 6.1.2012