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Röthlein
Brigitte Röthlein: Die Quantenrevolution. Neue Nachrichten aus der Teilchenphysik
München: DTV, 2004. Broschiert, 229 Seiten
Wie der Titel nahelegt verfolgt die Diplomphysikerin und Wissenschaftsjournalistin Brigitte Röthlein mit diesem Buch zwei Ziele: einerseits will sie die Revolution der Physik und der Weltanschauung durch die Quantenphysik beschreiben, andrerseits die neuesten Entwicklungen und Erkenntnisse der Teilchenphysik übermitteln. Diese schwierigen Aufgaben in einem verständlichen, nicht zu dicken Buch zu vereinen ist ein zu hohes Ziel. Trotzdem ist Die Quantenrevolution eine ausgezeichnete Einführung in das Thema.
Einen guten Überblick, was das Buch abdeckt, geben die fünf Kapitelüberschriften.
  1. Überraschungen am Doppelspalt
  2. Verschränkte Teilchen: Telepathische Zwillinge
  3. Quanten verschlüsseln geheime Botschaften
  4. Schneller rechnen mit Quanten
  5. Neuartige Materie
Gut übermittelt die Autorin wie die Unschärferelation in der Quantenkryptografie, die Verschränkung in der Teleportation und die Überlagerung von Zuständen im Quantencomputer eingesetzt wird oder künftig eingesetzt werden kann. Ihr gelingt es dem Leser die Angst vor den neuartigen Naturerkenntnissen zu nehmen, indem sie schildert, wie sich die neuen Ansichten selbst bei den Physikern nicht sofort durchsetzten; sie erklärt die Phänomene am Doppelspalt, den Unterschied zwischen subjektivem und objektiven Zufall oder die Geschichte des Bose-Einstein-Kondensats ausreichend. Besonders das Kapitel über die Kryptografie ist gut gelungen.
Die vielen Bezüge mit der Philosophie zeigen sich beispielsweise im Anspruch des englischen Wissenschaftlers David Deutsch (deutschDavid Deutsch; deutsch Zitate David Deutsch). Zu seiner Forschung um die Möglichkeiten eines Quantencomputers leitet ihn nicht die Absicht bessere Computer zu erfinden, sondern er will mittels der Quantentheorie etwas über die Struktur der Wirklichkeit herausfinden (S. 139). Die Naturphilosophie und die Ontologie hat dasselbe Ziel.
Wie zahlreiche Autoren läßt auch Brigitte Röthlein bei der Unschärferelation den Leser im Ungewissen: ist es eine Erkenntnisschwäche des Beobachters oder ein zugrundeliegende Beschaffenheit der Welt? Sie formuliert das Problem rein epistemisch (S. 32).
Hier irrt die Autorin (S. 150-52):
"... die Aufgabe, in einem Telefonbuch mit einer Million Eintragungen eine bestimmte Nummer zu finden. Normalerweise benötigt man dazu durchschnittlich 500 000 Schritte". Das mag für heutige PC-Pamperl-Programmierer richtig sein. Als wir in den 60-ern des letzten Jahrhunderts so etwas programmierten, sortierten wir die Million Telefonnummern und fanden mit binärer Suche in maximal zwanzig Schritten (2 hoch 20 > 1 Million) die postalischen Angaben zu jeder Nummer oder merkten, daß es die Nummer nicht gibt. Das ist weniger, als Röthlein dem Quanten-Programmier-Algorithmus von Lov K. Grover (groverLov K. Grover) zugesteht: rund tausend Schritte.
Das Kapitel über Quantencomputer mutet arg nach Science Fiction an, obwohl die Quantencomputer vielleicht schneller in Praxis gehen, als wir heute ahnen.
Das oben genannte Doppelziel veranlaßt die Autorin aber manchmal zu sehr in die Wissenschaftsgeschichte zu gehen. So breitet sie den Wettlauf zum absoluten Kältepunkt ausführlich aus. Das und viel Biografisches lockern zwar auf, die Auswirkungen der Quantenphysik im Alltag kommen aber zu kurz. Die Verweise im Text auf andere Kapitel des Buches sind gut gemeint, aber mehr nicht; da ohne Seitenangabe muß man doch wieder suchen. Beim sparsamen Literaturverzeichnis vermisse ich eine Einstufung, was für den Normalbürger lesenswert, da verständlich ist.
Insgesamt ein empfehlenswertes Einführungswerk. Der Spagat zwischen Titel und Untertitel ist zu anspruchsvoll, doch die Thematik wird verständlich und nicht nur oberflächlich erläutert.
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Röthlein RöthleinBrigitte Röthlein: Die Quantenrevolution. Neue Nachrichten aus der Teilchenphysik. München: DTV, 2004. Broschiert, 229 Seiten

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 14.12.2004