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Perelman
Chaim Perelman: Logik und Argumentation
Königstein, Taunus, 1979. Freyr Roland Varwig, Hg. u. Übs. 140 S.
Athenäum Taschenbücher. Philosophie / Wissenschaftstheorie
Logik und Argumentation ist gemäß dem Titel in die Teile: Formale Logik und Elemente der Argumentationstheorie eingeteilt. Der erste Abschnitt bringt für den Philosophen nichts Neues. Einzig die Kritik von Lukasiewicz (Lukasiewicz Jan Lukasiewicz) an der Syllogistik des Aristoteles ist von Interesse. Die verwendete Symbole sind schwer lesbar, heute ungebräuchlich und den ganzen Stoff gibt es wesentlich besser aufbereitet und dargestellt, beispielsweise in Kutschera, Breitkopf: Einführung in die moderne Logik und zahlreiche andere Logikbücher (logik Literaturliste).
Deshalb gleich zum zweiten Abschnitt: "Elemente einer Argumentationstheorie".
Das Vorwort ist was für Juristen. Die wesentliche Einsicht daraus ist, daß Richter nicht gleich einem Automaten oben die Beweise reinstecken und unten kommt der Urteilsspruch heraus, sondern es gibt in allen Teilen des Prozesses Auslegungs- und Abwägungsüberlegungen.
Der Hauptteil bringt gegenüber dem etwas ausführlicheren Das Reich der Rhetorik wenig Neues. Perelman grenzt auch hier die Kunst des Argumentierens (Urspünge bei Gorgias, Protagoras und Zenon) gegen die reine Sophisterei oder Demagogie ab. Die Argumentationskunst bezieht sich auf die Zustimmungsbereitschaft zu vorgelegten Thesen: man verstärkt oder vermindert diese mittels der Argumente, indem man Gründe angibt. (S. 74)
Perelman entwickelt allerdings hier eine interessante Position zur Geschichte der Philosophie. Die Philosophen der Post-Renaissance wollten ähnlich wie in der Geometrie, von untrüglichen Evidenzien ausgehen. Diese Anlehnung zahlreicher Philosophen an Euklid und die "mos geometricus" habe ich selbst schon einmal untersucht: Perelman "Simon Grynaeus als Wegbereiter René Descartes". Descartes insbesondere wollte "den Sand der Meinungen wegschaffen und auf dem Fels untrüglicher Intuitionen ein neues Weltsystem erbauen" (S. 77). Perelman interpretiert diese Entwicklung als Verlust einer wertvollen Methode: "Die Einführung eines solchen Kriteriums der Evidenz bedeute die schicksalhafte Verdrängung der Argumentation als Technik des Philosophierens" (S. 77). Diesen Gedanken greift Perelman im letzten Kapitel nochmals auf. (Die Kapitel dazwischen bringen die schon aus Das Reich der Rhetorik bekannten Argumentationsschema, meist sogar mit genau denselben Beispielen, die hier sogar noch knapper dargestellt sind.) Wenn die Philosophie also die informale Arumentation vernachlässigt, verzichtet sie auf eine zweitausendjährige Tradition. Philosophie soll aber gerade die Meinungen von Menschen abstimmen bis zur Übereinstimmung. Sie soll unser Handeln rechtfertigen. Damit ergibt sich, daß die Wissenschaften nach Wahrheit streben, die Philosophie aber nach Rechtfertigung. In der Theorie der Wissenschaft ist die Verifikation die geeignete Methode, in der Philosophie die Rechtfertigung und damit die Argumentation.
Während also insgesamt Logik und Argumentation den Stoff der formalen Logik und informalen Argumentationstheorie zu gestrafft bringt, lohnen diese zuletzt skizzierten Gedanken die Lektüre der Einleitung und des Schlusses zum 2. Abschnitt.
Jan Lukasiewicz, 21.1. 1878 Lwow (Lemberg), 13.2. 1956 Dublin; polnischer Philosoph, Mathematiker und Logiker, grundlegende Beiträge zur modernen formalen Logik; besondere Beiträge zur mehrwertigen und intuitionistischen Logik. Während der Besetzung Polens durch die Nazis wirkte er an der Warschauer Untergrunduniversität. Ab 1949 in Dublin, Irland.
Links und Sekundäres bei der Perelman Rezension von Das Reich der Rhetorik unter Perelman Links und Sekundäres
Perelman Anmerkungen zur Rhetorik und informalen Argumentationstheorie
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Perelman blablaChaim Perelman: Logik und Argumentation. Königstein, Taunus, 1979. Freyr Roland Varwig, Hg. u. Übs. 140 S. Athenäum Taschenbücher. Philosophie / Wissenschaftstheorie

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 11.2.2005