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Popper
Karl R. Popper: Objektive Erkenntnis. Ein evolutionärer Entwurf
Hamburg: Hoffmann und Campe, 1998. [Objective Knowledge. An Evolutionary Approach] 4. verbesserte und ergänzte Aufl. Hermann Vetter, Übs. Ingeborg, Gerd und Bernd Fleischmann: Bearbeiter. Broschiert. 414 Seiten
Popper LinksPopper Literatur
Wer – wie ich, mea culpa – meint, Karl Popper habe zu fast allem seine wenigen, bewährten Ansichten (Vermutungswissen, Verteufelung der Induktion, ...) aufgetischt, wird in Objektive Erkenntnis. Ein evolutionärer Entwurf eines anderen belehrt (oder auch nicht). Weit ausholend wie ein Daniel Dennett behandelt Popper in diesem Sammelband recht unterschiedliche Themenbereiche. Wie der Untertitel verheißt geht es um die Evolution, aber auch um Tarskis Theorie der Wahrheit, man findet einen schlauen Beitrag zum Freiheitsproblem (von Popper anschaulich "Über Wolken und Uhren" betitelt) und sein Bekenntnis zum Realismus. Im Mittelpunkt steht jedoch die Erkenntnistheorie.
• Im 3. Aufsatz "Erkenntnistheorie ohne ein erkennendes Subjekt" trägt Popper seine These rund um das Schlagwort "dritte Welt" ein. Darunter versteht er die objektiven Gedankeninhalte. Er will sich dabei nichts als Platoniker verstanden wissen (Platon ist ja sozusagen sein Hauptfeind), sondern schlägt sich mehr auf die Seite Gottlob Freges, der eine eigenwillige Auffassung der Welt der Gedanken hatte. Bekanntlich greift man mit der Aufstellung einer faktischen Aussage aus dieser Welt einen Gedanken heraus ("Über Sinn und Bedeutung"; Der Gedanke", siehe Popper Links). Popper führt zur Untermauerung seiner dritten Welt zwei Experimente an (S. 111), die aber nur belegen, dass unsere Schriftstücke (in den Experimenten geht es um das "Überleben" von Bibliotheken) einen Symbolcharakter und Informationsgehalt haben, der sie zur Kommunikation mit denjenigen geeignet macht, die sie interpretieren können. Man versteht Popper bezüglich 3. Welt besser, wenn man seine Hilfsthesen aufmerksam liest (S. 115). Die erste Hilfsthese besagt, dass die 3. Welt "ein natürliches Erzeugnis des Lebewesens Mensch" ist. Sie widerlegt eigentlich schon die Kapitelthese: ohne die Menschheit gäbe es die 3. Welt nicht. Ist die 3. Welt aber einmal da, kann sie Katastrophen überleben (siehe die zwei Gedankenexperimente) und steht – so die zweite Hilfsthese – in ständiger Wechselwirkung mit den Menschen (S. 115).
Neben Poppers Anschaulichkeit gefällt mir besonders, dass er nicht dafür zurückscheut, seine Thesen klar zu nennen. Wo andere Autoren vage formulieren oder nur die (vermeintlichen) Thesen anderer kritisieren, schreibt er konkret: "Meine {These / Antwort} ist die folgende: ...". Dabei kommt auch Poppers verschmitzter Humor nicht zu kurz. Beispiel: "Um dieser verbalen Kritik meine Verachtung zu bezeigen, habe ich einfach die Ausdrucksweise meiner Gegner übernommen ..." (S. 332).
Aufgrund der zusammengewürfelten Aufsätze, die jedoch von Popper immer ergänzt und verbessert wurden, kommt es zu Überschneidungen sowohl innerhalb dieses Buches als auch mit den anderen Popperschen Werken, voran Die Logik der Forschung, was die Lektüre umso eindringlicher macht, denn: Wiederholung ist die Mutter der Studien (popper Zitate Horaz).
Für die genannten Themen ist Objektive Erkenntnis ein extrem erhellendes Sammelwerk.
Links
popper Sir Karl Raimund Popper
popper Thesen und Exzerpte aus: Objektive Erkenntnis. Ein evolutionärer Entwurf
Popper Gottlob Frege
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Literatur
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Popper PopperKarl R. Popper: Objektive Erkenntnis. Ein evolutionärer Entwurf. Hamburg: Hoffmann und Campe, 1998. [Objective Knowledge. An Evolutionary Approach] 4. verbesserte und ergänzte Aufl. Hermann Vetter, Übs. Ingeborg, Gerd und Bernd Fleischmann: Bearbeiter. Broschiert. 414 Seiten Popper
Karl R. Popper: Objective Knowledge. An Evolutionary Approach. Oxford: Oxford UP, 1972. Broschiert, 390 Seiten Popper
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 10.8.2010