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Morris
Richard Morris: Gott würfelt nicht. Universum, Materie und kreative Intelligenz
[The Universe, the Eleventh Dimension, and Everything: What We Know and How We Know It, 1999] Hamburg: Europa, 2001. Dirk Oetzmann, Übs. 240 Seiten – Morris AutorMorris LinksMorris Literatur
Der deutsche Haupttitel ist irreführend. Es geht nur nebenbei um den Zufall. Der englische Originaltitel nennt den Inhalt: Universum, Dimensionen, Theorie of Everything; Was wir wissen und wie wir draufkommen.
Richard Morris, kalifornischer Physiker, marschiert durch die derzeitige Physik und einige ihrer Randgebiete. Damit ist schon viel über das Buch gesagt: Morris will auf etwas mehr als 200 Seiten die Welt vom Standpunkt des Physikers in einer allgemeinverständlichen Sprache erklären. Das gelingt ihm, weil er immer eine geschichtliche Perspektive einnimmt und weil er zumindest in der Teilchentheorie und Quantenmechanik deutlich machen kann, was als gesichertes Wissen gilt und wie die Forscher selbst damit ringen.
Der Leser kann sich auf eine raschen Gang durch die Kosmologie, Evolution, Astronomie, Teilchenphysik und Quantenmechanik freuen. Die Relativitätstheorie wird zwar oft herangezogen aber kaum erklärt (Dies bedeutet nicht, dass die anderen Theorien alle wirklich erklärt werden; zumindest werden aber wichtige Erkenntnisse daraus festgehalten). Eine Hauptfrage des 20. Jahrhunderts war, wie man die vier elementaren Kräfte (Gravitation, Elektromagnetismus, schwache und starke Teilchenkraft) in einer Theorie vereinheitlichen kann. Allgemeine Relativitätstheorie und Quantenmechanik erscheinen in sich gesichert, schließen sich aber gegenseitig aus. Albert Einstein suchte bis zum Tode nach einer einheitlichen Theorie und nach dem Ausschluss des Zufalls (damit wird der deutsche Titel aber kaum gerechtfertigt, da dies nicht im Fokus des Buches steht).
Morris bleibt immer am Boden, auch wenn er, gerade in der Quantenmechanik unterschiedliche Interpretationen streift. Es wird klar, warum man oft liest, dass genau und nur unser Universum die Entstehung von Leben ermöglicht. Morris geht bereits in der Kosmologie sehr gut darauf ein, warum und wie unser Universum so und nicht anders hat entstehen können. Trotzdem enthält sich der Autor der Frage nach Gott. Er räumt zurecht ein, dass all dies nicht beweist, dass es keinen Schöpfergott gibt (S. 52). Er sieht ebenso richtig – wie ich meine – kein Ziel in der Evolution (S. 60; S. 62).
Ausführlich widmet der Autor sich den Superstrings. Das fand ich ausgezeichnet, da kaum ein populärwissenschaftlicher Autor sich an dieses Thema wagt.
Morris zollt freilich der Lesefreundlichkeit Tribut. Vieles stellt er fest und erklärt es nicht. Der Leser kann nur mit dem Kopf nicken. Manche Sätze geraten ihm zu Banalitäten.
Im Vergleich zum Brotlaib in Abbildung 1 ist die Ausdehnung des Universums riesig (S. 22). Gut, dass uns dies Morris mitteilt morris. Morris findet heraus, dass,
  • wenn man eine große Zahl von einer anderen abzieht, ein anderes Ergebnis als null herauskommen kann (S. 80).
  • wenn man in eine Gleichung der Physik andere Zahlen einsetzt, man ein anderes Ergebnis erhält (S. 95).
Das ändert aber wenig daran, dass Gott würfelt nicht ein lesenwerter Schnelldurchgang durch die angegebenen Gebiete der Physik ist.
Morris Anfang
Philosophie und Naturwissenschaft
Ich werde hellhörig, wenn ein Autor sich zu Beginn von der Philosophie distanziert (S. 14). Schon bei Steven Weinberg las ich dann ein über weite Teile philosophisches Werk (Morris Links). Karl Popper (siehe Morris Karl Popper) kommt kurz zu Wort, wird aber beiseite gelegt, weil seine Arbeit wissenschaftlich eher nicht interessiert (S. 153). Trotzdem widmet Morris ein ganzes Kapitel ("Wie man Wissenschaft und Pseudowissenschaft unterscheidet", S. 176-197) einer Frage, die Popper in seinen frühen Hauptwerken (Die beiden Grundprobleme der Erkenntnistheorie und Logik der Forschung) immer wieder umtrieb. Nicht erstaunlich kommt Morris zur Einsicht, die Popper dogmatisch verteidigte: Wissenschaftliche Theorien sind keine Verallgemeinerungen von Beobachtungen. Vielmehr sagt die Theorie Beobachtungsergebnisse voraus, anhand derer dann die Theorie falsifiziert oder bestätigt (Popper: bewährt) wird (S. 188).
Morris Anfang
Autor
Richard Morris
Ph.D. in Physik 1969; lebt in San Francisco; Autor zahlreicher populärwissenschaftlicher Werke wie
Time's Arrows: Scientific Attitudes Toward Time, 1986; Achilles in the Quantum Universe; Cosmic Questions; Dismantling the Universe; The Big Questions: Probing the Promise and Limits of Science, 2002
Links
morrisThe Santa Fe Institute
morrisTierra, Thomas S. Ray, University of Oklahoma
Zur Ergänzung empfehle ich die Rezensionen folgender Werke:
morris Barrow, John D.: Die Entdeckung des Unmöglichen. Forschung an den Grenzen des Wissens
morris Brockman, John, Hg.: Die neuen Humanisten. Wissenschaft an der Grenze
Morris Dennett, Daniel C.: Darwin's Dangerous Idea. Evolution and the Meaning of Life
Morris Dürr, Hans-Peter, Franz-Theo Gottwald, Hg. Rupert Sheldrake in der Diskussion
Morris Genz, Henning: Wie die Naturgesetze Wirklichkeit schaffen. Über Physik und Realität
Morris Junghanss, Volker: Unterwegs zur absoluten Dimension. Gott würfelt nicht - e = m ( l / t )²
morris Brigitte Röthlein: Die Quantenrevolution. Neue Nachrichten aus der Teilchenphysik
Morris Weinberg, Steven: Der Traum von der Einheit des Universums
Literatur
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Morris morrisRichard Morris: Gott würfelt nicht. Universum, Materie und kreative Intelligenz. Hamburg: Europa, 2001. Dirk Oetzmann, Übs. 240 Seiten morris
Richard Morris: The Universe, the Eleventh Dimension, and Everything. Four Walls Eight Windows, 1999. 244 Seiten morris
Ergänzende Literatur, die ich nicht kenne    
chown chownMarcus Chown: Warum Gott doch würfelt. Über 'schizophrene Atome' und andere Merkwürdigkeiten aus der Quantenwelt. München: Dtv, 2005. Broschiert, 218 Seiten benz
Arnold Benz, Samuel Vollenweider: Würfelt Gott? Ein außerirdisches Gespräch zwischen Physik und Theologie. Patmos, 2003. Broschiert, 280 Seiten morris
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 16.9.2005