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Gillies
Donald Gillies: Philosophical Theories of Probability
Abingdon: Routledge, 2000. Broschiert, 223 Seiten Gillies LinksGillies Literatur
Das kompakte Werk bietet eine kurz geschichtliche Einführung, eine gründliche Besprechung gängiger Wahrscheinlichkeitsinterpretationen und eine eigene pluralistische Sichtweise. Der Stoff ist umfassend, doch gedrängt dargestellt. Mathematisch schwierigere Abschnitte sind gekennzeichnet, so dass man sie überspringen kann.
Gillies unterscheidet die folgenden Wahrscheinlichkeitsinterpretationen:
klassische Interpretation
• logische Interpretation
• subjektive Interpretation
• Häufigkeitsauffassung
• Propensitätsauffassung
• intersubjektive Interpretation
Die klassische Theorie entstand in der Aufklärung mit der vorherrschenden Sicht des Indeterminismus. In einem streng deterministischen System können Wahrscheinlichkeiten keine objektive Eigenschaft sein, sondern nur von der menschlichen Ignoranz abhängen. Diese Auffassung differenzierte sich in die weiteren Interpretationen. Anhand eines instruktiven Beispiels von P. S. Laplace zeigt Gillies recht klar den Unterschied zwischen objektiver und subjektiver Wahrscheinlichkeitsauffassung (S. 21).
Die logische Interpretation setzt die Wahrscheinlichkeit gleich mit dem Grad des rationalen Glaubens. Bei gleicher Belegkenntnis (und gleichem Hintergrundwissen !?) haben alle rationalen Menschen denselben Glaubensgrad einer Hypothese oder Vorhersage.
Die subjektive Interpretation setzt die Wahrscheinlichkeit gleich mit dem Glaubensgrad eines bestimmten Individuums. Gleiche Belegkenntnis führt nicht unbedingt zum selben Glaubensgrad.
Die Häufigkeitsinterpretation definiert die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses mit dem Grenzwert der Häufigkeit des Auftretens dieses Ereignisses in einer langen Folge ähnlicher Ereignisse.
Die Propensitätstheorie fasst die Wahrscheinlichkeit als Eigenschaft einer Menge wiederholbarer Bedingungen auf.
Intersubjektive Interpretation: Wahrscheinlichkeit ist nicht der Glaubengrad eines Individuums sondern der Glaubensgrad gemeinsamer Überzeugungen einer sozialen Gruppe.
Die verschiedenen Interpretationen werden für ein Überblickswerk mit einführendem Charakter ausreichend besprochen. Besonders widmet sich Gillies den Schwachpunkten der einzelnen Interpretationen, so dem Prinzip der Indifferenz, auch unter Prinzip des unzureichenden Grunds bekannt und dem Problem der Referenzklasse.
Die unterschiedliche Propensitätstheorien werden eingehend diskutiert. Die Diskussion läuft in den abschließenden Kapitel 8-9 für eine pluralistische Position hinaus (S. 184):
• die logische Interpretation kann die Schwierigkeiten mit dem Prinzip der Indifferenz nicht überwinden.
• die Identifizierung von Glaubensgraden mit einem Wettquotienten in Verbindung mit dem Dutch Book Argument genügt für eine Begründung subjektiver und intersubjektiver Wahrscheinlichkeiten.
• zusätzlich wird eine objektive Interpretation benötigt.
• Gillies vertritt daher eine subjektive und eine intersubjektive Sicht und eine Propensitätsinterpretation. Dabei hält er die subjektive Interpretation für die Gesellschaftswissenschaften geeignet, die objektive für die Naturwissenschaften. Ich bezweifle, dass diese strenge Zuordnung sinnvoll ist. Zahlreiche Überschneidungen sind vorstellbar.
Philosophical Theories of Probability eignet sich hervorragend für einen gründlichen Überblick der verschiedenen Wahrscheinlichkeitsinterpretationen. Es überzeugt darin, dass eine monistische Sicht den vielschichtigen Problemen der Wahrscheinlichkeit nicht gerecht wird.
Links
GilliesBayesian Epistemology
Gillies Rudolf Carnap
GilliesConfirmation and Induction
Eagle Antony Eagle, Hg.: Philosophy of Probability. Contemporary Readings
GilliesBruno de Finetti
GilliesAlan Hájek (2007): „Interpretations of Probability“ (Stanford Encyclopedia of Philosophy)
Popper Karl Popper
GilliesThe propensity approach
GilliesThe propensity theory of probability
GilliesTwo faces of probability
Gillies Maria Carla Galavotti: A Philosophical Introduction to Probability
Gillies Ian Hacking: An Introduction to Probability and Inductive Logic
Gillies Ian Hacking: The Emergence of Probability: A Philosophical Study of Early Ideas about Probability, Induction and Statistical Inference
Gillies Colin Howson, Peter Urbach: Scientific Reasoning. The Bayesian Approach
Gillies Henry E. Kyburg, Jr., Choh Man Teng: Uncertain Inference
Gillies Brian Skyrms: Einführung in die induktive Logik
Gillies Jon Williamson: In Defence of Objective Bayesianism
Literatur
Okasha, Samir (2002): „Review: Donald Gillies: Philosophical Theories of Probability”. British Journal for the Philosophy of Science 53, S. 151-156.
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 2.7.2011