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Reichholf
Josef H. Reichholf: Das Rätsel der Menschwerdung. Die Entstehung des Menschen im Wechselspiel der Natur
München: Dtv, 2004. 291 Seiten 6. Aufl. – reichholf Autorreichholf Linksreichholf Literatur
Josef H. Reichholf, Leiter der Wirbeltierabteilung der Zoologischen Staatssammlung, München, beschreibt in weiten Bögen und detailliert die Menschwerdung. Dabei legt er stets Wert darauf, die Gründe des Ablaufs und Geschehens offenzulegen. Er sieht mehrere entscheidene Schritte zur Menschwerdung:
  • Savannenbildung durch weltweite Klimaverschiebungen
  • die Primaten treten aus dem Wald und haben reichlich Nahrung
  • aufrechter Gang
  • Verlagerung des Kehlkopfes nach unten und damit Sprachfähigkeit
  • Grösse und Leistungsfähigkeit des Gehirns
Nebenbei rechnet er mit vielen Legenden und Missinterpreationen der Evolution ab. "Es wäre völlig unsinnig anzunehmen, daß sich der Mensch aus dem Schimpansen entwickelt hat. Die heutigen Menschenaffen sind keinesfalls lebende Ahnen des Menschen" (S. 28). Auch das "survival of the fittest" wird oft missverstanden. "»Erfolg« bemißt sich vielmehr an der Zahl der Nachkommen, die erfolgreich überleben und sich wieder fortpflanzen" (S. 33).
Josef Reichholf vertritt die Out-of-Africa-These: die Menschwerdung vollzog sich an einer Stelle in Ostafrika. Allerdings schwappten von dort drei grosse Wanderbewegungen aus:
  1. Homo erectus vor ca. 1 Mio Jahren
  2. Neandertaler vor ca. 200.000 Jahren
  3. zuletzt vor 70.000 der spätere Homo sapiens sapiens.
Reichholf gesteht zu: das Bild ist noch recht grob. Trotzdem wagte er schon 1993 (1. Auflage) ein konsistentes Bild der Menschwerdung zu zeichnen. Aus kleinsten Befunden muss weitreichend gefolgert werden. Alle Bereiche müssen widerspruchsfrei integriert werden: Fossilfunde, Gentik, Physiologie, Ökologie, Geologie und Klimatologie. Der Autor war sich des Risikos wohl bewusst.
Da möchte man meinen, dass die Erfolgsgeschichte des Menschen ständig neu geschrieben werden muss. Die Schlagzeile:"die Stammesgeswchichte des Menschen muss neu geschrieben werden" liest man aber zu häufig um sie noch glauben zu können. Jeder Wissenschaftler will seinen Fund besonders wichtig machen und preist ihn vollmundig an.
Ein Vorzug dieses Werks ist es, dass Reichholf immer klar macht, warum es so geschah und wahrscheinlich nicht anders. Er beschreibt also nicht nur, sondern interpretiert und begründet. Das erzählt er anschaulich wie in einem Roman. Er weist auf die verschiedenen jeweils zusammen kommende Umstände und Bedingungen hin. Das führt manchmal zur Ungeduld des Lesers, wenn Reichholf immer neue Fragen stellt und vorerst klären muss, bevor er den nächsten Schritt begründen kann. Viele Fäden werden aufgedröselt bis Reichholf den Knoten schnürt. Dafür hatte ich als Leser den Eindruck kompetent informiert zu werden.
Man kann Das Räsel der Menschwerdung angenehm lesen, da alles folgerichtig entwickelt und erzählerisch vorgebracht wird. Zahlreiche Abbildungen veranschaulichen zusätzlich. Schwieriger wird es trotz Index, wenn man gezielt Zeitpunkt oder Entwicklungsstadien sucht.
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Josef H. Reichholf
* 1945 Aigen am Inn, Leiter der Wirbeltierabteilung der Zoologischen Staatssammlung, München. Studium der Chemie, Geographie und Tropenmedizin (ZDF behauptet statt dem letzten: Biologie)
ein Forschungsjahr in Brasilien.
1971 bis 1973 ökologische Grundlagenforschung an Stauseen als Forschungsstipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
Dozent an der TU München: Naturschutz, Gewässerökologie; LMU München: Allgemeine und Terrestrische Zoogeographie sowie Ornithologie
Präsidiumsmitglied des deutschen World Wide Fund for Nature (WWF).
Links
Josef H. Reichholf: ReichholfdtvReichholfVerlag Klaus WagenbachReichholfZDF: nachtstudio
ReichholfJudith Rauch: "Der Tausendsassa - Josef H. Reichholf", Bild der Wissenschaft Oktober 2002
ReichholfNaturschutz contra Artenschutz, Deutschlandradio
ReichholfVeröffentlichungen von Josef H. Reichholf
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Reichholf ReichholfJosef H. Reichholf: Das Rätsel der Menschwerdung Die Entstehung des Menschen im Wechselspiel mit der Natur. Broschiert, 291 Seiten
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