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Unvernunft
László Mérö: Die Logik der Unvernunft: Spieltheorie und die Psychologie des Handelns
Reinbek: Rowohlt, 2007. rororo science 60821. Broschiert, 348 Seiten Anita Ehlers, Übs. – rezension Linksrezension Literatur
Der Untertitel beschreibt den Inhalt treffend. Mérö stellt die Grundlagen der Spieltheorie vor und stellt das tatsächliche Verhalten gegenüber. Das praktizierte Ist wird also mit dem anzustrebenden Ideal verglichen.
An zahlreichen Beispielen zeigt Mérö die oft unvernünftigen Verhaltensweisen im Sinne des anzustrebenden Erfolgs und beschreibt, was zum Optimum führt. Indem er die Verhaltensweisen zu erklären versucht, ergibt sich dafür eine besondere Logik, die oft nicht mit Spieltheorie und Logik im Einklang ist. Womit auch der Haupttitel erklärt wäre.
Man sagt, das Thema Gott verdopple einen Buchumsatz, jede Formel halbiere ihn. An den zweiten Teil hält sich Mérö. Sein Verdienst ist es, dass er auf Formalisierung verzichtet und trotzdem wichtige, auch komplizierte Zusammenhänge der Spieltheorie und Psychologie an den Leser bringt.
Zu loben ist der Überblick und die Sachkenntnis des Autors mit denen er in Internetforen und anderen Diskussionen heiß umstrittene Themen prägnant erklärt.
Beispielsweise hoffen viele Laien den Zufall in der Quantenphysik durch "verborgene Parameter" auszutreiben. Es gibt aber Experimente, die dies widerlegen. Aus diesen läßt sich folgern, "daß es in der Quantenmechanik keine verborgenen Parametern gibt" (S. 223).
• Manchmal bleibt der Text unverständlich, da zu kompakt und aus der Position des Wissenden geschrieben;
• manchmal schweift Mérö ab (z.B. Bemerkung über den Mathematikunterricht, S. 43) und stört den roten Faden, der aufgrund des komplexen Themas eh schwer einzuhalten ist.
• Manchmal unterlaufen dem Autor Ungenauigkeiten. Jesus empfiehlt die Goldene Regel (Mt 7,12), die völlig ich-bezogen ist: Man solle den anderen antun, was man selbst von ihnen erwartet. Die eigene Erwartungshaltung wird zum Massstab des ethischen Handelns (S. 74; siehe regel Goldene Regel). Keine Seite weiter stellt Mérö die Regel auf den Kopf (er meint, wie allerdings viele Leute, es wäre nur eine Umformulierung): jetzt wird das Wohl des Mitmenschen zum Handlungsziel (S. 75).
• Die Evolution wird zu einer Naturkraft (S. 166), die sogar durch die Auslese etwas "maximieren möchte" (S. 188). Die Evolution ist keine Naturkraft und möchte nichts.
Mit solchen Ungenauigkeiten werden alte falsche Ansichten betoniert.
• Manchmal ergibt sich Unsinn. Kants kategorischer Imperativ ist eine "extrem wirksame Verallgemeinerung der Goldenen Regel" und gleich darauf ist der kategorische Imperativ "keine Verallgemeinerung der Goldenen Regel" (beides S. 294). Dem zweiten Befund stimme ich zu.
Noch ein nettes Zitat: "Ich glaube übrigens nicht an Wiedergeburt. Daran habe ich schon in meinem früheren Leben nicht geglaubt" (S. 241).
Die Logik der Unvernunft kann für einen ersten Überblick, der Appetit macht, dienen. Oder dem Teil-Kundigen andere Blickwinkel zeigen. Da es einen breiten Wissensrahmen abdeckt bietet die undifferenzierte Literaturliste leider keine brauchbare Hilfe zum Weiterlesen.
Unter rezension Literatur bringe ich drei Alternativen zu Die Logik der Unvernunft.
Links
VernunftLaszlo Merö: Die Logik der Unvernunft
VernunftRationalität und die Dollar-Auktion
rezension Drei-Türen-Problem = Monty-Hall-Problem = Gefangenenproblem = Ziegenproblem
rezension Über den Zufall
Literatur
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meroe VernunftLászló Mérö: Die Logik der Unvernunft: Spieltheorie und die Psychologie des Handelns. Reinbek: Rowohlt, 2007. rororo science 60821. Broschiert, 348 Seiten Anita Ehlers, Übs. dixit
Avinash K. Dixit, Barry J. Nalebuff: Spieltheorie für Einsteiger: Strategisches Know-how für Gewinner. Schäffer-Poeschel 1997. Christian Schütte, Übs. Taschenbuch, 371 Seiten Vernunft
Riechmann Vernunft Thomas Riechmann: Spieltheorie. Vahlen 2007. Broschiert, 210 Seiten. 2., vollständig überarbeitete Auflage. WiSo-Kurzlehrbücher rieck
Christian Rieck: Spieltheorie. Eine Einführung. Rieck 2008. Broschiert, 402 Seiten 8. Aufl.Vernunft
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 30.10.2008