Email  zurück zur Homepage eine Stufe zurück
Glaubensargument
Glaubensargumente unterschiedlicher Art
Einwände und Widerlegungen – glauben Linksglauben Literatur
Übersicht
glauben Argument mit der Absurdität des Lebens ohne Gott
glauben Der Glaube ist hilfreich, macht glücklicher, erleichtert die Trübsal ...
glauben Keine Religion —> keine Moral
glauben Offenbarung als zusätzliche Erkenntnisquelle
glauben Verletzung der semantischen Identität
argumentOffenbarung als zusätzliche Erkenntnisquelle
Allgemein werden vier wesentliche Erkenntnisquellen akzeptiert:
Sinneswahrnehmung, Vernunft, Zeugnis Dritter, Gedächtnis.
Die manchmal genannte Intuition steht bekanntlich auf wackligen Füssen. Sie täuscht zu oft als dass sie als zuverlässige Erkenntnisquelle dienen kann. Oft wird eine fünfte Erkenntnisquelle: Offenbarung, Erleuchtung ("revelation") genannt (z.B.: Thomas Dixon: Science and Religion. A Very Short Introduction. Oxford: Oxford UP, 2008. S. 21).
Haufenweise berufen sich Apostel, Propheten und Religionsgründer darauf.
• Genereller Einwand
Schon die Berufung so vieler Menschen unterschiedlicher Religionen und Glaubensgemeinschaften wirft ein schlechtes Licht auf diese (vermeintliche) Erkenntnisquelle. Wie kann es sein, dass sich alle Religionen, die sich oft arg widersprechen, darauf berufen können? 999 der 1000 Religionen (um Zahlen zu nennen) müssen auf dem Holzweg sein.
• Spezieller Einwand
Wie schon US-Präsident George W. Bush so beruft sich auch die Kandidatin für die Vizepräsidentschaft der Republikaner Sarah Palin auf die göttliche Erleuchtung für ihre politische Position, spezieller: auf den göttlichen Auftrag, den Irak-Krieg zu führen:
"Pray for our military men and women who are striving to do what is right. Also, for this country, that our leaders, our national leaders, are sending [soldiers] out on a task that is from God. That's what we have to make sure that we're praying for, that there is a plan and that plan is God's will."
Wer stuft die göttliche Offenbarung noch als zuverlässige Erkenntnisquelle ein?
argumentArgument mit Verletzung der semantischen Identität
Unter „Glaube“ versteht man im Deutschen
  • religiösen Glauben
  • Meinung, Fürwahrhalten, Überzeugung; auch mit für Wissen ausreichender Rechtfertigung
Im Englischen kann da mit "faith" und "belief" durch die Wortwahl unterschieden werden.
Die beiden Bedeutungen von "Glauben" werden in Diskussionen über Glaube und Vernunft oft (absichtlich) vermengt.
Das Glaubensargument geht dann so:
(1) Auch Agnostiker und Atheisten glauben sehr viel (setzen vieles voraus).
(2) Wer als Agnostiker oder Atheist den Glauben (radikal) angreift oder in Frage stellt, entzieht damit seiner eigenen Position den Boden.
(3) Die Kritik (der Agnostiker und Atheisten) am Glauben betrifft damit ihre eigene Position und ist somit unangebracht.
Dieses Argument (Prämisse 1 kann man nur beipflichten; Karl Popper sprach es für die Wissenschaft aus: Popper We approach everything in the light of a preconceived theory) bricht zusammen, wenn man merkt, dass in (1) von ganz anderen Glaubensinhalten geredet wird als in (2) und (3). Zudem sind die Glaubensaussagen in (1) oft durch einen Schluß auf die beste Erklärung abgesichert. Hauptkritik an diesem Glaubensargument:
Die semantische Identität im Argument ist verletzt
Das, was in (1) gemeint ist, glauben die Religiösen ganz überwiegend ebenfalls; also zusätzlich zu dem in (2) und (3) Gemeinten. Nur zwei Beispiele: Wenn ich am Morgen aufwache, glaube ich, dass ich der nämliche bin, der gestern eingeschlafen ist. Ich glaube, dass die Welt schon länger als fünf Minuten besteht. Dagegen glaube ich nicht, dass sie vor fünf Minuten entstand und jemand alles so hindeichselt, dass ich nur meine, sie bestünde länger als fünf Minuten. All dies glauben religiös Gläubige überwiegend auch, zusätzlich zu ihren religiösen Glaubensaussagen.
“We approach everything in the light of a preconceived theory” –
Prämisse 1 für wissenschaftliche Kontexte, aber auch darüber hinaus
“One never reads or understands a book except with definite expectations in one’s mind. This indeed may be regarded as one of the consequences of my thesis that we approach everything in the light of a preconceived theory. So also a book. As a consequence one is liable to pick out these things which one either likes or dislikes or which one wants for other reasons to find.”
Sir Karl Popper: “Normal Science and its Dangers”. In: Imre Lakatos: Criticism and the Growth of Knowledge. Cambridge: Cambridge University Press, 1974. S. 52.
Deutsch: Imre Lakatos; Alan Musgrave, Hg.: Kritik und Erkenntnisfortschritt. P. K. Feyerabend, A. Szabó, Übs. Braunschweig: Vieweg, 1974
Beispiele für diese verfehlte Argumentation
Harald Lesch, Physiker: "Man kann nichts wissen ohne zu glauben. Davon bin ich fest überzeugt." Hochschulpfarrer Professor Thomas Schwartz erleichtert: "Ich auch."
Vermutlich wurde hier die semantische Identität verletzt. Lesch hat völlig recht. Doch Schwartz meint etwas anderes.
"Alpha bis Omega, Glaube, Aberglaube, Horoskop", Bayerisches Fernsehen, 25.5.2008
glauben Anfang
argumentDer Glaube ist hilfreich, macht glücklicher, erleichtert die Trübsal ...
Eines der zahlreichen Beispiele, die zur Untermauerung dieser These angeführt werden:
A. W. dachte nach dem Tod ihrer Tochter, die im Juni 2005 im Alter von fünf Jahren an einer Gehirnembolie gestorben ist, mehrfach an Selbstmord. Doch ihr Glaube half ihr,damit fertig zu werden. Die Katholikin glaubt ihre Tochter nun als Engel immer an ihrer Seite und pflegt ständigen Kontakt mit ihr. selbstbetrugGlaube und Religion - reiner Selbstbetrug, SWR Nachtcafé 10.10.2008
Der Glaube half hier zur Überwindung der Selbstmordabsichten, die man ohne Glauben (und der Hoffnung auf eine sofortige Vereinigung mit der Tochter nach dem Selbstmord) eventuell nicht gehabt hätte.
Einige Einwände zur These: Der Glaube ist hilfreich, macht glücklicher, erleichtert die Trübsal ...
  Einwand 1:
Ein leichter Alkoholspiegel hilft mir auch, die Welt rosiger zu sehen. Oder:
"That a believer is happier than a sceptic is no more to the point than the fact that a drunken man is happier than a sober one." George B. Shaw (weitere Shaw-Zitate, siehe glaube Links).
Oder: Amphetamine („Speed“, eine synthetische Substanz) spornen an und erleichtern manches. Das ist kein Grund sie zu nehmen (Nebenwirkungen!).
Einwand 2:
Wer religiös glaubt, muss mit gefährlichen Nebenwirkungen rechnen. Der Glaube kann zu schlimmen körperlichen Beeinträchtigungen führen.
• Entweder von außen, beispielsweise: glaube “Die unbarmherzigen Schwestern” [The Magdalene Sisters]
• oder von innen: glaube Exorzismus: Austreibung von Dämonen, Teufeln und anderen Geistern
Einwand 3:
oder mehr eine Überlegung: Ohne religiösen Glauben wäre man schon glücklich.
"Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nach wandeln, die durch das Jammertal gehen und machen daselbst Brunnen." Psalm 84,6-7
Der religiöse Glaube erleichtert das Jammertal, in dem man ohne ihn nicht ist.
  Unterscheidung zwischen epistemischen und praktischen Interesse
Allerdings kann sich das Argument »Der Glaube macht glücklicher« darauf berufen, dass manchmal praktisches Interesse dem epistemischen vorzuziehen ist.
Beispiele:
Pascals Wette
• Sally entdeckt an der Jacke ihres Ehemanns Bert ein langes blondes Haar, Lippenstift am Taschentuch und einen Reklamezettel einer Bar. Alle drei Indizien können nicht von ihr stammen. Sie verdächtigt Bert und setzt einen Detektiv an. Der bringt weitere Belege, die den Verdacht erhärten. Eigentlich müßte Sally zur Überzeugung kommen: Bert betrügt mich. Aus praktischen Erwägungen (sie will nicht, dass ihre Ehe kaputt geht etc.) weigert sie sich diese Überzeugung zu akzeptieren.
Literatur
Heil, John (1983): "Believing What One Ought". The Journal of Philosophy 80.11, S. 752-765.
Meiland, Jack (1980): "What Ought We To Believe? or The Ethics of Belief Revisited". American Philosophical Quarterly 17.1, S. 15-24

Zitate zur These: »Der Glaube ist hilfreich, macht glücklicher, erleichtert die Trübsal ...«
"That a believer is happier than a sceptic is no more to the point than the fact that a drunken man is happier than a sober one." – George Bernard Shaw: Androcles and the Lion, Vorwort, 1916;
 shaw Zitate G.B.Shaw

»Religion ist in den seltensten Fällen Trost und in den meisten Fällen eher eine Aufstachelung zu Hass und Gewalt.« – Dieter Nuhr, Kabarettist; nuhr Zitate Dieter Nuhr
glauben Anfang
Links
glauben Argument mit der Absurdität des Lebens ohne Gott
glaubenMartin Ballaschk: Die Bibel hat keine moralische Autorität, 29. Juli 2011
glaubenIngolf Bossenz: "Kalter Krieg um Gottes Leere. Atheismus in Deutschland – eine unerwünschte Weltsicht". Neues Deutschland 31.5.2008
glauben Nazi-Todesrichter Hans Filbinger, CDU
glauben Norbert Hoerster: Was ist Moral? Eine philosophische Einführung
glauben Alexander Kissler: Der aufgeklärte Gott. Wie die Religion zur Vernunft kam
glaubenSabina Mistlberger: "Generationskonflikt Moral. Ohne Religion (k)eine Moral? Unsere freie, multikulturelle Gesellschaft braucht eine Moral zwischen zwei Extremen". 24. April 2008
MoralMorality 1: Good without godsMoralMorality 2: Not so good books
MoralMorality 3: Of objectivity and oughtness
de Sousa Pascals Wette
glauben Religiöser Glaube und Vernunft – Faith and Reason
glaubenGünter Rohrmoser
glaubenStudienzentrum Weikersheim
glauben Themen der Philosophie, Probleme, Thesen
glauben Zitate Fjodor Dostojewskij
glaube Zitate George Bernard Shaw
Literatur
Schleissheimer, Bernhard: "Gibt es ohne Religion keine Moral? Bemerkungen zu einer These Dostojewskijs". In: Albert Franz, Hg.: Glauben, Wissen, Handeln. S. 257-276
Bei Amazon nachschauen   Bei Amazon nachschauen
Bering glauben Jesse Bering: Die Erfindung Gottes - Wie die Evolution den Glauben schuf. [The God Instinct] Helmut Reuter., Übs. München: Piper, 2011. Gebunden, 314 Seiten franz
Albert Franz, Hg.: Glauben, Wissen, Handeln. Beiträge aus Theologie, Philosophie und Naturwissenschaft zu Grundfragen christlicher Existenz. Festschrift für Philipp Kaiser, Eichstätt, zum 65. Geburtstag. Würzburg: Echter, 1994. Broschiert, 444 Seitenreasons

Gleixner
Hans Gleixner: "Wenn Gott nicht existiert...". Zur Beziehung zwischen Religion und Ethik. Schöningh, 2005. Broschiert, 254 Seiten reasons
harrison glauben Guy P. Harrison: 50 Reasons People Give for Believing in a God. Prometheus 2008. Taschenbuch, 354 Seiten Böse
Michael Schmidt-Salomon: Jenseits von Gut und Böse. Warum wir ohne Moral die besseren Menschen. Pendo, 2009. Gebunden, 352 Seiten reasons
Spieker GlückMarkus Spieker: Gott macht glücklich und andere fromme Lügen. Hänssler, 2013. Gebunden, 173 Seiten
urban glauben Martin Urban: Warum der Mensch glaubt: Von der Suche nach dem Sinn. München: Piper, 2007. Broschiert: 254 Seiten urban
Martin Urban: Wer leichter glaubt, wird schwerer klug: Wie man das Zweifeln lernen und den Glauben bewahren kann. Eichborn 2007. Gebunden, 240 Seiten glauben
glauben Anfang

Glaubensargument
Email  zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 17.11.2013